Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Politiker rein in Tür, Politiker raus aus Tür, Politiker Treppe rauf, Politiker Treppe runter, Politiker winkewinke, Politiker lächellächel, Politiker auf Mikrofon zu, so geht das den ganzen Tag, und immer wieder: Politiker strafft sich, reißt Mundwinkel hoch, Politiker spricht. He, was du sprechen zu uns, Politiker? Politiker zu uns sprechen folgende Wörter: sondieren, ausloten, nicht hilfreich sein, hilfreich sein, in diesem Punkt nicht hilfreich sein, frei erfunden sein, konstruktiv.... Ist klar diese Wörter, ist möglich zu verstehen, was Politiker hat gesagt? Volk hat gesprochen: Jaja, neinnein. Nun sprechen Politiker: ernsthaft, vertieft, breite Mehrheit, schlecht vorstellbar, Schnittmenge, schwampeldipampel, in den Raum stellen…

Manchmal stellt man sich vor, es gäbe eine Politikerschule, in die man mit einer großen Tüte in der Hand eingeschult wird, und dann sitzen sie da, kleine bebrillte Bütikofers, immerzu mit den Fingern schnalzende Stieglers, nach dem Tischnachbarn tretende Schröders, die Hände faltende Stoibers, und der Lehrer sagt: Heute morgen üben wir Ablehnen, Verhindern, Vorantreiben, Vorpreschen. In der zweiten Klasse werden wir erste Absetzbewegungen probieren, wenn wir Pech haben, stoßen wir auf Protest, dann können wir auch schon mal einen Schwenk vollziehen. In der Pause: Gedankenspiel und freies Erfinden.

So geht das weiter, immer höher die Klassen, immer schwieriger die Fragen: Wie zerschneide ich ein Tischtuch? Wie baue ich eine Druckkulisse auf? Wie untermauere ich einen Anspruch? Wie liebäugele ich mit einer Option? Im Politikerabitur: Sprengen Sie eine Fraktion! Stellen Sie ein Wahlergebnis auf den Kopf! Entfachen Sie einen Sturm der Empörung, ohne von ihm hinweg geblasen zu werden! Nehmen Sie eine Wahl mit aller Kraft an! Grinsen Sie eine Dreiviertelstunde lang!

Politiker rein in Tür, Politiker raus aus Tür, Politiker Treppe rauf, Politiker Treppe runter, Politiker winkewinke, Politiker lächellächel, Politiker in Mikrofon: „Es gibt Situationen, da müssen Sie Türen hinter sich zumachen können.“ Wer hat das mal gesagt? Richtig, Fischer. Dies nun ist der ganz große Berliner Spreizsprech. Wichtigdeutsch, die Endstufe. Hätte auch sagen können: Muss immer allein die Spiel gewinnen, ich bin jetzt müde Vater, diese Grüne, verteidige immer diese Grüne! Aber nein, „es gibt Situationen...“ Tausche Macht gegen Freiheit! Alles was ich tue, ist bedeutend, hört Ihr? (Und wenn ich morgen das Gegenteil tue, ist es noch bedeutender.) Und mit vier Prozent minus ist man Wahlsieger. Mit drei Prozent auch. Wahlsieger ist man immer. Wussten Sie schon, das Schily den Merz im Café...? Nächste Woche, sagt Müntefering, gibt es eine „vertiefte formale Sondierung“. Is’ klar, Alter, wo is’ die Tür?

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