Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Der Kröte gegenüber ist der Deutsche seit eh und je ambivalent. Einerseits nennt man in manchen Landstrichen ein süßes kleines Mädchen „eine goldige Krott“, andererseits einen missgebildethässlichen, buckligen Menschen „verkrottet“. Einerseits nennt man sein Geld im Portemonnaie liebevoll „Kröten“, andererseits ist die Kröte Symbol des Geizes und Neides; man glaubte früher, sie ernähre sich von Erde, fresse aber jeden Tag nicht mehr, als ihr linker Fuß fassen könne (aus Angst, sie könnte die ganze Erde auffressen und hätte dann keine Nahrung mehr). Einerseits ist dieses Land von Krötenschutzzäunen durchzogen und zur Laichzeit tragen Bürger Kröten über viel befahrene Straßen.

Andererseits jammert man nun in der SPD an jeder Ecke, man müsse mit der Wahl Angela Merkels zur Kanzlerin eine „Kröte schlucken“, ja, der stellvertretende bayerische Landesvorsitzende Pronold spricht zunächst von einer „dicken schwarzen Kröte“, dann von einer „ganzen Waggonladung voller Kröten“, schließlich bittet er: „Noch größere Kröten darf man uns nicht servieren.“ Sein Vorsitzender Stiegler klagt, beim Landesparteitag der SPD werde es „heftiges Magengrimmen geben“.

Das wäre kein Wunder, denn die Haut vieler Kröten ist von einem so widerlichen Gift überzogen, dass man nicht mal ahnt, wie man ein solches Tier hinunterbringen sollte, wenn man es denn schlucken müsste. Andererseits wissen Kenner, dass eben dieses Sekret, jedenfalls bei der Aga-Kröte (bufo marinus), eine LSD-ähnliche, berauschende Wirkung hat, Süchtige in Australien oder den USA trocknen bufo-marinus-Haut und rauchen sie. Die Wirkung: Redefluss, Euphorie, Selbstüberschätzung – Symptome, die vermuten lassen, Ludwig Stiegler von der SPD schlucke nicht erst seit gestern täglich größere Krötenmengen und habe vielleicht gar dem Kanzler vor der legendären Elefantenrunde etwas abgegeben.

Der bekannteste Krötenschlucker der Geschichte war übrigens Nero, indes freiwillig. Man glaubte damals, geschluckte Kröten würden im menschlichen Körper weiterleben; also nahm der Kaiser einige Löffel Krötenlaich zu sich, in der Hoffnung, daraus würden in seinem Leib Kröten entstehen und er könne so empfinden, wie es ist, schwanger zu sein. Das stelle man sich nun von Peter Ustinov gespielt vor.

Manchem ist vielleicht noch „Unkerich“ ein Begriff, eine Kröte aus den Lurchi-Werbeheften der Firma Salamander. Unkerich sah aus wie der Sohn einer Kröte und Hermann Görings, eine albern-aufgeblasene Type, dem alles misslang. Er war in Lurchis Schwester verliebt, traute sich aber nur mit Hirschgeweih auf dem Kopf verkleidet an ihr Fenster. Doch wurde er nie gehänselt – und aus jeder Patsche von Lurchi und den anderen befreit.

Was das für die große Koalition bedeutet, weiß ich auch nicht.

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