Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Die lustigste Überschrift der Woche stand im „Münchner Merkur“, sie lautete: „Beckstein droht mit Flucht nach Berlin“. Es ist nämlich so, dass Herr B., falls er nicht Ministerpräsident in Bayern werden kann, in Bayern gar nichts mehr sein will. Er droht, in diesem Fall sein Bundestagsmandat anzunehmen, woraus wir lernen, dass manche Leute, die für den Bundestag kandidieren, nicht unbedingt auch in den Bundestag wollen. Sie kandidieren halt, dann schau’n sie mal. Was man hat, das hat man, und etwas zum Drohen kann man immer brauchen.

Auch Edmund Stoiber droht ja: in diesem Fall allerdings sein Bundestagsmandat nicht anzunehmen, falls er nicht Wirtschaftsminister werden kann (wenn nämlich die KoalitionsVerhandlungen scheitern). Er müsste dann Ministerpräsident bleiben, womit er auch droht – aber wem? Der SPD, glaube ich. Oder doch den Bayern? Die Politik ist eine seltsame Welt. Die einen möchten mit ihr nichts zu tun haben, die anderen können ohne sie keinen Tag leben, Horst Seehofer zum Beispiel, der, wenn er schon sonst nichts Bedeutendes mehr sein durfte, im April dieses Jahres wenigstens Vorsitzender des Sozialverbandes VdK in Bayern wurde, mit dessen 500000 Mitgliedern als Seehofer- Lobby sich allerdings trefflich drohen ließ, dem Stoiber etwa, der vor Seehofer solche Angst hat, dass er Angela Merkel zwang, ihn zum Landwirtschaftsminister zu machen, wovor sich nun einerseits die Landwirtschaft fürchtet, andererseits der VdK, der sich einen neuen Chef suchen muss. Seehofer braucht das Amt nicht mehr, er hat jetzt was Besseres. Er darf es auch gar nicht mehr ausüben. Das Gesetz verbietet es Ministern, in Vorständen und Verwaltungsräten zu sitzen, was Edmund Stoiber sicher traurig stimmt; er sitzt so gern im Verwaltungsrat des FC Bayern.

Was ist mit denen, die bald kein Amt mehr haben? Denen das Nichts droht? Sind wir genug um sie besorgt? Wird es reichen, wenn sie Vorträge halten, Bücher schreiben? Für große Fußballer gibt es Abschieds-Kicks, ja, ihr ganzes Leben lang werden sie immer wieder zu Benefiz-Spielen einberufen. So bleiben sie der Sache verbunden.

In der Politik könnte man sich vorstellen, dass ein Minister sich zum Abschied etwas wünschen kann, ein Gesetz vielleicht, in dem zum Beispiel steht, dass bei jedem größeren Naturereignis in den kommenden zwanzig Jahren Herr Schröder in Gummistiefeln seiner Wahl nach dem Rechten sehen darf. Alle müssen dabei „Herr Bundeskanzler“ zu ihm sagen, es muss im Fernsehen gezeigt werden, und keiner darf lachen. Otto Schily dürfte mal persönlich eine Redaktion durchsuchen und dabei so oft „Gefahr im Verzug“ sagen, wie er will. Und warum könnte man nicht kleinere, besonders chaotische Länder für jeweils einen Monat von einem All-Stars-Team aus deutschen Polit-Rentnern regieren lassen?

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