Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Ja, nun, was wären wir ohne unsere Umfrageinstitute, aus deren Mitte wir gerade erfahren, dass der No vember der unbeliebteste Monat ist, jedenfalls bei den Deutschen. Dies erfragte das EmnidInstitut, Bielefeld, im Auftrag einer Zeitschrift namens „Lenz“, deren Interesse an novemberfeindlichen Umfrage-Ergebnissen schon namenshalber einschlägig ist. Der Mai ist übrigens der beliebteste Monat, eine Auskunft, die ich gegen kleines Honorar jedem Interessierten ebenfalls gern gegeben hätte.

Man muss dazu nämlich gar keine Umfragen veranstalten, sondern nur unsere lieben Deutschen ein wenig kennen und deutsche Lyrik lesen, Ricarda Huchs November-Gedicht zum Beispiel: „Das Herz ist schwer. / Wo sind, die vor uns dahingegangen? / Das Licht am Himmel wird neu erprangen, / Die toten Menschen kommen nie mehr, – nie mehr. – / Das Herz ist schwer.“ Oder Kästner: „Was man besaß, weiß man, wenn man’s verlor. / Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen, / Es regnet, Freunde, und der Rest ist Schweigen. / Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor. / Und der November trägt den Trauerflor…“

Da aber diese Kolumne Trost-Kolumne sein will und eine wöchentliche Stütze, an welcher der Bürger sich Woche für Woche aufrichten kann, möchten wir auf einige Aspekte aufmerksam machen, welche uns zuversichtlicher in den bald beginnenden November aufbrechen lassen. Erstens wäre da der unvergleichliche Wohlklang des Monatsnamens. Nooovvvemmmber. Bitte sprechen Sie nach: Nooovvvemmmber. Und noch einmal, wo immer Sie sich gerade befinden: Nooovvvemmmber. Und nun: Appprrrilll. Mai. Däzzämmmbärrr. Alles nicht zu vergleichen, nicht wahr? Man fragt sich, warum nie eine Autofirma, statt alberne Kunstnamen zu verwenden, ein Auto so genannt hat. Opel November. Ich säße drin.

Zweitens: große und schöne Ereignisse im kommenden November. Saddam vor Gericht. Die erste deutsche Kanzlerin. Münte jeden Tag im Fernsehen. Wieder ein Jahrestag des Mauerfalls. Und abends endlich Zeit für die ersten der hunderttausend Neuerscheinungen von der Buchmesse…

Drittens: Was wäre Deutschland ohne November? Es scheint der Aufmerksamkeit bisher entgangen zu sein, dass dies’ Land eine Sportnation zweiten Ranges wäre. Sowohl Uwe Seeler als auch Gerd Müller sind Novemberkinder. Andreas Brehme, Schütze des Siegtores im WM-Finale 1990: geboren am 9. November. Hätten wir eine einzige Fußball-Weltmeisterschaft errungen ohne November? Ja, mit sehr viel Glück, Fritz Walter hatte am 31. Oktober Geburtstag. Und, pssst, Boris Becker wird am 22. November 38.

Weitere Novembergeborene: Loriot, Luther, Schiller, Enzensberger, Stauffenberg, Engels, Klaus Mann und, ja, was haben wir denn hier?, am 1.11.1945 gründete Karl Georg von Stackelberg das Emnid-Institut in Bielefeld.

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