Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Bahnchef „Hartmut“ Mehdorn möchte mit seiner Bahnzentrale nach Hamburg ziehen – und warum? Weil Hamburg das Tor zur Welt ist. Und weil die Bahn nämlich, das wusste man bisher gar nicht so genau, in die Welt hinaus und ein Weltkonzern sein will, eine Globalbahn, wobei wir uns in diesem Zusammenhang von einem alten Gedanken verabschieden müssen: dass die Bahn auf Schienen fährt. Das geht in Zukunft nicht mehr. Auf Schienen kommt man nicht bis Amerika, es sei denn auf dem Meeresgrund, aber dort würden die Schienen verrosten, es hat keinen Sinn.

Schon immer hatten wir Mehdorn im Verdacht, er wolle aus der Bahn eine Fluglinie machen, so peu à peu, dass es keiner richtig merkt, erst die Züge immer schnittiger, dann die Schaffnerinnen aufhübschen, schließlich englische Durchsagen im Zug – und plötzlich hebt der ICE hinterm Bahnhof ab, und man fliegt. Er ist ein Flugzeugmann, war Chef von Airbus, „ein fanatischer Airbus-Fan“, wie die „Süddeutsche“ jetzt in wünschenswerter Eindeutigkeit berichtete. Wurde aber abserviert und ging zur „Heidelberger Druckmaschinen AG“. Als er die verließ, machte die Firma die Hälfte ihres Umsatzes mit fliegenden, düsengetriebenen Druckanlagen – er konnte nicht anders. Wenn er nicht in die Luft gehen kann, ist dieser Mehdorn kein Mensch mehr.

Aber nun will er sich auch am Hamburger Hafen beteiligen. Da wäre es schön, auch Schiffe zu haben (Lastwagen hat er übrigens sowieso, die Spedition „Schenker“), und am Ende könnte man sich vorstellen, dass die Bahn den ganzen unrentablen Schienenkram verkauft und sich aufs Geldverdienen konzentriert. Soll wer anders die Leute morgens zur Arbeit bringen.

Der Letzte, der das Projekt einer sich in allen Elementen bewegenden Bahn verfolgte, war Lukas, der Lokomotivführer, auch er wie Hartmut, der Bahnchef, ein Mann mit Ideen, zu raschen Lösungen neigend, keinem Umzug abgeneigt. Wussten Sie, dass bei der Bahn der Chef alles selbst macht? Keine Verspätung, die er nicht genehmigt, keine Zugtoilette, deren Verschmutzung er nicht persönlich angeordnet, keine Mitropa-Kaffemaschine, die er nicht eigenhändig außer Betrieb gesetzt hätte. Er kann nicht delegieren. Das nur nebenbei.

Lukas jedenfalls kalfaterte in Lummerland erst seine alte Emma und machte sie seefest, um mit Jim Knopf übers Meer nach China zu reisen. Und verwandelte sie dann mit Hilfe eines Magneten in ein „Perpetumobil“, das sich in die Lüfte erhob und die allergewaltigsten Gebirge überflog. Die Reisenden begegneten unterwegs Scheinriesen, Halbdrachen sowie der Prinzessin Sursulapitschi, kehrten aber am Ende nach Lummerland zurück, wo inzwischen – na, das ist eine andere Geschichte.

Nächsten Sonntag hier: Wie H. Mehdorn den ersten Mondflug der Bahn vorbereitet und auf welchem Bahnhof die Rakete starten wird.

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