Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Zum Rasen haben die Deutschen ein besonderes Verhältnis. Viele rasen gern, vor Wut und auch auf der Autobahn, die Schumi-Brothers gehören zu den erfolgreichsten Rasern der Welt, die Welt kauft deutsche Raseporsches. Und was hatten wir nicht auf Rasen für Erfolge?! Graf, Becker, Stich in Wimbledon, Jahr um Jahr fürchtete man deutsches Rasentennis, vom Fußball nicht zu reden, die Halme der Welt duckten sich vor Furcht, wenn deutsche Sensenmänner kamen, Briegel, Vogts, Buchwald, sie kannten weder Furcht noch Gnade.

Darum ist es interessant, wie leichthin über eine Kleinigkeit in den Abschieds-Interviews des großen André Heller hinweggegangen wird, der mannhaft die aktuellen Gemeinheiten des Weltfußballverbandes hinnahm. Heller sagte, er habe in seiner riesengroßen Wahnsinnsshow ein surrealistisches Fußballspiel inszenieren wollen. „Der Rasen, der immer nur getreten wird, schlägt zurück“, so beschrieb Heller den Inhalt, Grasmenschen sollten gegen Maschinenmenschen kicken, das Spielfeld sich auflehnen gegen seine Benutzung.

Der Rasen schlägt zurück: Hat der Rasen ein Recht dazu? Besteht eine Notwendigkeit? Sind wir so schlecht zum Rasen, dass er auf solche Gedanken …? Wo wäre der Rasen, wenn es den Fußball nicht gäbe? Bisschen Golf, bisschen Polo; in ihren Vorgärten lassen die Leute heute lieber Wiesenblumen wachsen. Benutzt nicht der Rasen den Fußball, um sich immer neue Geltung zu verschaffen? Nur ein Gedanke.

Was den modernen Menschen am Rasen stört, ist seine Knechtsnatur. Lässt alles mit sich machen, sich zu Streifen mähen und Schachbrettmustern. Ist heizbar. Jede neue Rasensorte muss beim Bundessortenamt angemeldet werden, wird drei Jahre lang getestet und dem Nutzwert nach eingestuft. Zierrasen. Gebrauchsrasen. Strapazierrasen. Tiefschnittrasen. Für Stadionrasen gilt DIN-Norm 18035-4, zehn Prozent Lolium Perenne, zehn Festuca Rubra, achtzig Poa Pratensis, darunter Quarzsand, vier bis fünf Düngungen im Jahr. Rasen fügt sich, Rasen begnügt sich. Du, Halm, bist nichts, der Rasen ist alles. Wer mag das schon? Und dieses Gleichmacherische! Auf dem grünen Rasen und unter dem grünen Rasen, na ja.

Nur einer wie Heller konnte auf den Gedanken kommen, dass Rasen zurückschlagen wollte. Dem Rasen selbst ist dieser Gedanke fremd. Er will Rasen sein, sonst nichts. Heller ist Blume, Wiese, Kunst, Vielfalt, Lang Lang und Dingeldongel. Rasen ist Fifa, DFB, Jupp Derwall, Superkommerz und Viererkette. Heller stellte sich vor, wie der Rasen sich wehren könnte, aber kaum hatte er das getan, wehrte sich der Rasen tatsächlich: gegen ihn. Rasen kann nur Fußball aushalten, nichts sonst.

Rasen schlägt zurück? Rasen hat zurückgeschlagen! Was soll man machen? Bleibt einem nichts als: Gras drüber wachsen zu lassen.

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