Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Nah und näher rückt die Fußball-Weltmeisterschaft, bereits jetzt können viele kaum noch an etwas anderes denken, ihr ganzes bisschen Denken kreist um die Fußball-WM. Da liest man, der Ministerpräsident Peter Müller habe gesagt: „Wir brauchen starke Player, die auch in der Lage sind, sich international zu behaupten.“ Meine Rede, Müller, meine Rede, gerade die Abwehr betreffend, müssen wir auf der Suche sein nach besseren Spielern, es ist gelegentlich porös da hinten, und auch im Sturm …

Aber dann spricht der Saarländer Müller weiter von Springer und Pro Sieben, er redet gar nicht vom Fußball, er redet vom Wirtschaftsleben, daher die englische Wendung, hineingestreut ins Müllerdeutsch. Man wird ja sonst nicht mehr verstanden in Playerkreisen, wenn man nicht die eine oder andere englische Wendung nimmt, das weiß man jetzt schon im Saarland und in Baden-Württemberg, wo sie alles verstehen außer Hochdeutsch und einen Ministerpräsidenten haben, der Oettinger heißt und gesagt hat: „Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest, aber Englisch wird die Arbeitssprache.“

So weit sind wir gekommen. Bereits lässt sich Oettinger in seinem Amt nur noch als „Governor Ottindscher“ ansprechen, bloß Frau und Kinder dürfen ihn „Herr Oettinger“ nennen. Auch möchte er, eine Anregung aus Berlin aufgreifend, durchsetzen, dass auf Pausenhöfen südwestdeutscher Schulen Deutsch gesprochen werden muss, während Unterricht in Englisch abgehalten wird. Dass Zuwanderer Deutsch lernen, erschien vor kurzem wünschenswert, nun nicht mehr. Die Leute sollen arbeiten, nicht in den Hängematten unserer Freizeitgesellschaft herumflacken und an einer Leitkultur teilnehmen, die letztlich reine Privatsache ist, um es mal klar zu sagen. Deutsch: Pausensprache, Freizeitsprache, Feierabendsprache. Gereinigt von Vokabeln wie: pünktlich, Erledigen Sie das!, Konferenz, schuften, malochen, Gehalt. Und was ist mit: Wellness, Body shaping, Power Walking, weekend feeling? Ottindscher, what? Am Feierabend und in den Pausenhöfen ihres kleinen Lebens wollen die Leute das nicht mehr hören, das muss klar sein, sie müssen entspannen vom Englischen dann. Den ganzen Tag worke, worke, housle builde, aber abends dann: Gemütlichkeit!

Noch mal zurück. Hat er wirklich gesagt: „die Sprache, in der man Privates liest“? Hat man Töne, in welcher Sprache auch immer? Man sollte ihn aus dem office hunten dafür! Übrigens, was den Player Springer angeht, so hatte der private Sender Sat 1 mal einen Werbespruch, der hieß „Powered by emotions“. Vor zwei, drei Jahren gab es dann eine Umfrage, wie sich Leute diesen Satz übersetzen. Die Antwort vieler war: Kraft durch Freude. Manchmal ist das alles einfach lustig, nicht wahr? Manchmal auch nicht.

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