Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Die Krawatte hat eine lange Geschichte, mancher meint schon in Halstüchern der Legionäre auf der Trajanssäule in Rom Krawattenvorläufer zu erkennen, aber das Wort „Krawatte“ kommt nun mal von den Kroaten, deren wilde Reiter zu Habsburgerzeiten als Kavallerie dienten und um den Hals ein vorn zusammengestecktes Tuch trugen – welches Kleidungsstück französischen Offizieren so gefiel, dass sie es nachahmten, ja, man stellte im 17. Jahrhundert sogar eine französische Reitertruppe auf, deren Angehörige „cravates royaux“ hießen, königliche Kroaten. Wobei die echten Kroaten ungehobelte Kerle waren, man nannte in norddeutschen Gegenden ein wildes Kind einen Krabat, und im Wienerischen ist der ordinäre Mensch: ein Krowot.

Welcher Krawattenträger weiß noch, dass der Zwirn um seinen Hals Zeichen wilder Tapferkeit war und seinen Ursprung in Krieg und Gefahr hat? Und doch: Auf zeitgemäße Weise ist die Krawatte nun wieder Alarmzeichen geworden, bei deren Anblick man scheu das Weite sucht. Die British Medical Association hat gewarnt, dass die Schlipse vieler Ärzte tödliche Risiken bergen: Sie trügen durch mangelnde Hygiene zu Infektionen bei, so dass Doktoren Krankheiten überhaupt erst verursachten. Was für eine Nachricht in diesen Zeiten! Seit längerem waren Fälle bekannt, in denen Patienten beim Anblick der Motive „tanzendes Nilpferd“ oder „rodelnder Osterhase“ auf der Krawatte eines Arztes in tagelangen Stupor fielen. Auch konnten Fälle von Chirurgen, die Seidenschlipse als Tupfer benutzten, ja mit Wunden vernähten oder in Patientenkörpern vergessen hatten, nur mühsam vertuscht werden. Immer wiesen Ärzteverbände Krawattenkritiker darauf hin, ein Mediziner müsse Schlips tragen, um jederzeit blutende Gliedmaßen abbinden zu können. Nun dies: Hat vielleicht der Zahnarzt, der einem grübelnd in den Hals starrt, heute morgen noch mit seinem zum Lasso geformten Schlips eine Schwanenleiche aus seinem Schlossteich gezerrt? Ist das Muster auf der Krawatte unseres HNO-Fachmannes so grell, weil im Stoff bereits Virusmutanten leuchtende Feste feiern?

Bitte, in Japan besitzt jeder Mann durchschnittlich 8,5 Krawatten, in Deutschland nur drei. Manche Leute tragen wochenlang denselben Schlips. Wir reden nicht nur von Ärzten. Auch der Bankberater kommt uns nahe. Und dieser und jener Chef beugt sich über eine Untergebenenschulter, während von seiner ekelhaften, zum letzten Mal vor zehn Jahren gereinigten, mit Bakterienrasen bedeckten, von Parasiten fast zersetzten, filzigen, verseuchten Dreckskrawatte sich der Tod auf den Angestellten senkt. Es ist unfassbar: Wie viele Menschen könnten noch leben?! Schneidet den Leuten diese Dinger ab, wenn Ihr’s noch nicht getan habt, sofort, nur mit Handschuhen und Maske, bitte, seid vorsichtig!

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