Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Liebe Italiener,

vielleicht ist jetzt die Zeit für diesen Brief, in dem es darum geht, auf Dinge aufmerksam zu machen, die Eurer Aufmerksamkeit nicht entgehen sollen. Dinge, die wir für Euch getan haben. Getan zu haben glauben. Von denen wir meinten, Euch damit einen Gefallen erwiesen zu haben.

Zum Beispiel essen wir seit Jahrzehnten Eure Speisen. Nun ist der Tag zu sagen: Es war nicht immer nur gut. Kürzlich nahm ich es in Hannover klaglos hin, dass man mir mit Cocktail-Tomaten und Basilikum-Blättern verzierte Spaghetti aglio e olio servierte, die von miserablem Öl derartig troffen, dass … Nun, man verarbeitet das mit einem Grappa, obwohl es hier Obstbrände in einer Qualität gäbe, dass man sich fragt, warum man je einen einzigen italienischen Tresterschnaps zu sich nahm.

Aber wir trinken ja auch Prosecco, während Ihr selbst in der Regel Spumante vorzieht. Wir hätten deutsche Winzersekte, aber die meisten von uns kennen sie nicht mal. Wir sitzen immer noch in Pizzerien mit Fischernetzen und Gondolieri-Bildern. Wir mochten das nie, aber wir dachten, ihr dächtet, wir würden es mögen – also haben wir uns gefügt. Aus Höflichkeit. Aus Nettigkeit.

Wir mögen auch viele Erzeugnisse Eurer Designer nicht, vor allem nicht deren Preise; nichtsdestotrotz findet man diese Produkte in fast jedem deutschen Haushalt. Nie haben wir ein Wort darüber verloren, dass manche Eurer Fußballer Jammerlappen sind, die sich nach kleinsten Berührungen im Gras wälzen und nach ihrer Mutter schreien, im nächsten Moment aber, wenn der Schiedsrichter sich abgewendet hat, zum Gemeinsten fähig sind. Stattdessen schickten wir Euch Haller, Schnellinger, Völler, Rummenigge, Klinsmann …

Wir lesen Krimis mit Brunetti und Montalbano, als gäbe es kein Verbrechen in Deutschland. Wir lieben Don Camillo und Peppone, obwohl es hier in weiten Landstrichen weder Kommunisten noch Katholiken gibt, schon gar nicht gleichzeitig. Wir nehmen es hin, dass die meisten von Euch Beethoven für einen Österreicher halten. Wir kommen jedes Jahr, obwohl Euer Tourismus-Minister mal behauptete, wir würden bei „dröhnenden Rülpswettbewerben“ aufwachsen. Wir wollten immer, dass es Euch gut geht. Dass Ihr glücklich seid. Unter Eurer Sonne. Eurem Azur. Mit Euren seltsam zu deklinierenden Substantiven.

Wir haben nie was gesagt. Uns nie beklagt. Aber nun, nach drei Fußballspielen, über die kein Wort mehr verloren werden soll, möchten wir darauf hinweisen, dass wir eine kleine Fußball-Veranstaltung ausrichten, an der uns – wie soll ich sagen? – viel liegt. Bei der wir gerne ein bisschen, hmmm, gewinnen würden. Keine große Sache. Aber uns ist sie eben wichtig. Wir möchten keine Schwierigkeiten. Dieses Mal möchten wir keine Schwierigkeiten. Danach können wir alles machen wie immer.

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