Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Sonntag. Der Tag, an dem mancher spät aus den Federn kommt. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Aus den Federn, meine ich.

Dieser Tage konnte man ein Interview mit Ulrich Schaaf lesen, dem Vorsitzenden des nordrhein-westfälischen Badminton-Verbandes, der zufällig führender deutscher Federball-Importeur ist. Schaaf klagte, wie ihm die Vogelgrippe zu schaffen mache. In China, wo neunzig Prozent aller Naturfederbälle hergestellt würden, herrsche „Federknappheit“. Federn dürften wegen der Hühnerpest nicht mehr von A nach B transportiert werden. Man müsse sie gleich in A, wo die Tiere gerupft würden, zu Federbällen verarbeiten. Die Federballfirmen aber säßen oft in B (wenn nicht sogar in C, Anm. d. Red.)und hätten kein Material mehr. Folge: Federbälle würden teurer. Man könne sie aber nicht durch Plastikfederbälle ersetzen, die flögen anders, das ganze Badminton-Spiel würde sich radikal verändern – das gehe nicht. So weit Schaaf.

Das ist natürlich traurig. Selbst wenn man nie Badminton gespielt hat: Die Sportart ist einem irgendwie sympathisch, und man möchte nicht, dass sie leiden muss. Außerdem: Was wird aus uns? Unser Leben ist von Federn geprägt. Gewisse Autoren brauchen spitze Federn, um sie führen zu können. Gewisse Manager machen täglich Federstriche, um tausende von Arbeitsplätzen zu vernichten. Gewisse Getränke verleihen Flügel und damit Federn. Und Tag für Tag wird von irgendjemand mit irgendwem kein Federlesens gemacht – übrigens: Woher kommt eigentlich dieser Ausdruck? Federlesen?

Er kommt, wie vieles, aus dem Mittelalter. Ein Federleser (auch Pflaumenstreicher, das kommt von Flaum) war einer, der Höhergestellten die Federn vom Anzug zupfte. Ein Schmeichler. Und wer kein Federlesens machte, war einer, der sich um so was nicht kümmerte, auf Förmlichkeiten nichts gab, direkt zur Sache kam. Manchmal sieht man den CSU-General Söder, wie er seinem Chef Stoiber … Das gibt es also heute noch.

Aber vielleicht gibt’s bald keine Federn mehr. Gar keine. Zum Beispiel hat der Deutsche Fußball-Bund sein neues Maskottchen vorgestellt, einen Adler namens „Paule“. Was ist das Besondere an diesem Adler? Er hat keine einzige Feder. Er ist aus Plüsch. Ein weicher Kuscheladler, der nicht fliegen kann. Ein Vogel Federlos in Bodenhaltung. Was sagt man dazu?

Fast schade, dass Fußball nicht mit Federbällen gespielt wird. Man könnte erklären: Leute, die Sache ist jetzt viel zu teuer. Aus China kommen keine Bälle mehr. Und an denen, die kommen, könnte man sich anstecken. Zu gefährlich. Wir müssen die WM zurückgeben. An China unseretwegen. Dann wären wir die Sache los, mit der wir uns offensichtlich total überfordert haben.

Im Badminton sind wir übrigens auch nicht gut. Am liebsten bliebe man gleich in den Federn. Aber – tja …

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