Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Ostern, das Schokoladenfest. Neulich stand in der „New York Times“: „Es reicht heute nicht mehr, den Unterschied zwischen Milchschokolade und Zartbitter zu kennen … Es geht auch um das Terroir.“ Terroir!? Das ist, was Weinkenner meinen, wenn sie über den Einfluss von Klima, Bodentyp, Winzerkunst auf den Charakter eines Weines sprechen. Sehr schwierig. Aber wenn man an einem dieser neuen Schokoladengeschäfte vorbeikommt, in denen Pralinés aufgebahrt sind wie anderswo Juwelen (auch die Preisschilder scheinen vom Juwelier zu sein), kommt einem der Gedanke: Sollte ich nicht mehr über Schokolade wissen? Könnte ich nicht, wenn aus mir schon nie im Leben ein echter Weinschwätzer wird, wenigstens ein Schoko-Schlauberger sein?

Heute ist der Tag, damit zu beginnen. Legen Sie sich Anekdoten zurecht, mit denen Sie beim Osterspaziergang andere beeindrucken können. Hier ist eine solche (denn diese Kolumne versteht sich als Leitfaden für bessere Lebensführung): Die Azteken kannten im wesentlichen zwei Getränke, das eine war Octli, ein alkoholischer Agavensaft, dessen Genuss verpönt war. Nur ältere Leute durften Octli trinken, ansonsten wurde Trunkenheit mit dem Tod bestraft. Das andere Getränk: Kakao, dessen Bohnen auch Zahlungsmittel waren, weshalb im Palast des Königs Motecohzuma 173 Millionen Kakaobohnen lagerten. Man hätte 7200 Männer gebraucht, um sie fortzutragen. Merken Sie sich: Das aztekische Wort für Kakaobaum ist Cacahuacuauhuitl und setzt sich aus Cacahuatl für Kakao und Cuauhuitl für Baum zusammen. Üben Sie vor dem Spiegel: Cacahuacuauhuitl, Cacahuatl, Cuauhuitl. (Trinken Sie ein Gläschen Octli oder sonst was Alkoholisches, dann flutscht es besser!)

In der nächsten Phase: nicht nachlassen! Weiter aufdrehen! Merken Sie sich folgende drei Formulierungen: 1.) Seit ein paar Jahren kenne ich eine kleine Plantage in Südmadagaskar, sie gehört meinem Freund Juan, dort kaufe ich meinen Kakao selbst. 2.) Ziehen Sie persönlich eher den fruchtigen Geschmack der Bohnen aus Kona vor oder die erdige Note des Kakaos aus Keeau, wenn Sie die hawaiianische Schokolade von Jim Walsh essen? 3.) In meinem Haus in Apulien habe ich jetzt eine Conchiermaschine, da machen wir in den Osterferien in Zukunft unsere eigene Schokolade.

Auf der anderen Seite müssen wir damit rechnen, dass auch unsere Kinder sich weiterbilden, wenn es um dieses für sie hochinteressante Thema geht. Rechnen Sie also damit, dass Ihr Nachwuchs Sie mit Sätzen wie diesen überrascht: Wusstest du, dass Schokolade anderthalbmal so viel Kalium enthält wie Vollkornbrot? Oder: Warum soll ich nicht viele Schokoladeneier essen, Papa? Wenn man bedenkt, dass sie aus den Früchten des Kakaobaums gemacht wird, ist Schokolade im Prinzip nichts anderes als Obst.

Frohe Ostern!

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