Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

-

Ladies and Gentlemen, heute nun also (wie seit Jahren) am selben Tag: Tag des Buches und Tag des Bieres. Was haben Buch und Bier gemeinsam? Preisgebundenheit? Leider nein, rufen die Biertrinker. Reinheitsgebot? Gott sei Dank nicht, rufen die Leser. Bedrohtsein von den Zeitläuften? Aber hallo!, hören wir von Verlegern und Brauern, Buchhändlern und Wirten, ja!, rufen sie, wir sind bedroht wie das Butterbrot und die biologische Vielfalt, für die es auch „Tage“ gibt, später im Jahr.

Es wird zu wenig gesoffen, klagen die Brauer, jedenfalls zu wenig Bier, bald bereits könnte der hier eigentlich unausdenklich sein sollende Schreckensfall eintreten, dass die jährliche „Absatzquote“, der „Bierausstoß“ unter die „magische Grenze“ von hundert Millionen Hektolitern sänke. Ein Rinnsal. Und gelesen wird auch nicht, sagen die Verleger, die aber auf das Desaster nicht mit Minderproduktion reagieren, sondern mit Erhöhung des Volumens, der Titelzahl. Ein seltsames Geschehen, welches das beklagte Phänomen „Leseunlust“ erst erzeugt?? Weil es resignieren lässt, bevor man beginnt? Das ist Quatsch und interessiert hier auch nicht weiter, weil wir Platz brauchen, um jener zu gedenken, die Bier und Buch zusammenbrachten. Die zusammenfügten, was nicht zusammenzugehören scheint. Bier und Buch? Bier und Fernsehen ja, Flasche auf Plautze ruhend, Blick ins Blöde versenkt – ja!

Aber Bier und Lesen, Bier und Schreiben? Legion sind die Alkoholiker von Roth bis Hemingway, Fitzgerald bis Simenon, ohne die wir keine Literatur hätten, na ja, Thomas Mann schon, der bloß „zum Abendbrot“ anderthalb Quart Helles trank, welche „regelmäßig meine Verfassung durchaus verändern“. Doch soffen die vielen Wein, Schnaps. Bier hat, gar in Mengen, nichts Anregendes. Löscht bloß Durst. E.T.A. Hoffmann trank Bier, auch Lichtenberg und natürlich Jean Paul, der Wohnorte nach den dort verfügbaren Bieren wählte. Wer sonst was über Bier und Literatur wissen will, der lese Bukowskis „Schreie vom Balkon“, Briefe von 1958 bis 1994, an den Freund und Übersetzer Weissner zum Beispiel: „Gut, dass dir die Schmutzfink-Stories gefallen. Sie waren leicht zu schreiben; meistens wenn ich abgekämpft von der Rennbahn kam, ein Bier nach dem anderen runterstürzte und billige Zigarren qualmte – dieses Gefühl von ACTION …“ Freilich so ab 1977 trank selbst B. Wein, „Bier macht dick, und scharfe Sachen zerfressen den Magen und die Leber, und es ist schwer, dabei zu schreiben“.

Aber das Buch dieses Tages ist von Flann O’Brien, dem Iren. „Durst“. Wie der Wirt Mr. C., unterstützt durch zwei Gäste, den Sergeant dazu bringt, die Sperrstunde selbst zu brechen – durch Schilderung persönlich erlebten, unerträglichen Durstes. Am besten, man hört es, von Rowohlt gelesen. Irgendwo in der Nähe eines Zapfhahns.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben