Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

-

Flusspferd, das ist schwer auszusprechen, nicht wahr? Unwillkürlich sagt man Pflussferd, und im Grunde passt das besser zu dem Tier, das wenig Pferdehaftes hat, dafür viel Zylindrisch-Klobiges, Walzenförmig- Ungeschlachtes, ein Pflusstier. Früher hieß es Nilpferd, weil es am Nil lebte. Aber heute gibt es im Nil, am Nil und um den Nil herum keine Flusspferde mehr. Und gerade hat der World Wildlife Fund berichtet, das Pflussferd stehe vor dem Aussterben – bald braucht man gar keinen Namen mehr, höchstens im Zoo. Übrigens hat dies Bedrohtsein auch was mit den Wirren im Kongo zu tun, wo der Bestand um 95 Prozent zurückgegangen ist und wohin bald deutsche Soldaten reisen. Denen sollte man rechtzeitig sagen, dass sie vorsichtig sein müssen, wenn sie plötzlich vor einer von Stalagmiten gerahmten Höhle stehen. Es handelt sich um eine aufgesperrte Pflusspferdpfresse.

Übrigens ist es ein neueres Phänomen, dass Menschen Flusspferde so lieben, dass sie ihnen Namen geben wie Knautschke, Bulette, Toni. Dass sie Nilpferdfreunde-Klubs gründen. Nilpferdnippes sammeln. Im Sudan galt das zu ungeheurer Unfreundlichkeit fähige, Boote umwerfende, Menschen mit messerscharfen Riesenzähnen zerbeißende Wesen als Auswurf der Hölle. Und Old Brehm, der am Blauen Nil einmal durch dichtes Dornengebüsch vor einem Wutpferd fliehen musste, bis sein Anzug in Fetzen hing, hielt dem Tier gar seine Essmanieren vor: Es sei beim Verzehr von Wasserpflanzen „eine ekelhafte Erscheinung“, aus dem Maul hingen Ranken und Stängel, „grünlicher Pflanzensaft mit Speichel untermischt läuft beständig über die wulstigen Lippen“, halb Zerkautes werde herausgerülpst und neu verschlungen. Es ist auch wahr, dass dem Hippo-Popo unübersehbare Kotmengen entquellen, so dass im Zoo Wasserpferde behaglich in stuhlganggetrübtem Wasser lagern.

Und doch sehen wir Heutigen alles anders. Wir staunen über die Beweglichkeit der Kolosse. Wir wissen, dass man einst aus ihren Zähnen künstliche Menschengebisse machte, weil Flusspferd- Elfenbein im Gegensatz zu dem des Elefanten nie gelb wird. Wir lesen, dass Hippo-Babys bei der Geburt aus dem Mutterleib regelrecht herausschießen. Wir freuen uns, wenn Nilpferdhaut glänzt wie ein frisch geputzter Kanonenofen. Wir hören eine Anekdote aus dem Zoo von Halle, wo eine Boxerhündin und ein Flusspferd sich so befreundeten, dass Erstere der Zweiten ins Maul steigen durfte, um das Innere freundlich zu belecken. Ist es ihre Langlebigkeit, die Flusspferde so beliebt macht? Oder die unzeitgemäße Inbrunst, mit der sie Fettleibigkeit zu genießen scheinen?

Wir wissen jedenfalls alles über den Hippopotamus. Aber es nützt keinem mehr. Hippo steht auf der Roten Liste ganz oben. Wir Deutschen auch. So sind wir, dicker Freund, am Ende im Aussterben vereint.

0 Kommentare

Neuester Kommentar