Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Manchmal denkt man, die ganze Welt habe sich gegen unser liebes Land verschworen. Noch Ostern haben wir viel Angst wegen der Vogelgrippe haben müssen. Dann kam das Frühjahr, mit ihm das sich verschlechternde Wetter sowie die Furcht vor Zecken. Dann begann man sich gerade auf die WM zu freuen, als ein Eintrittskarten-Skandal und die rote Karte für Lehmann alles verdarben. Und jetzt: So viele Jahre lang haben wir gehofft, dass es auch in Deutschland mal wieder wilde Bären geben könnte, Abend für Abend saßen wir vor dem Fernseher und warteten, ob man uns heute endlich vom ersten wilden deutschen Bären seit 170 Jahren berichten würde – nichts. Aber nun: Ein Bär marschierte aus Österreich kommend über die Grenze, freudig begrüßt vom bayerischen Umweltminister sowie allen zuständigen Organisationen. Schon rechnete man sich aus, wie viele Tagesmärsche der Bär benötigen würde, um auch Berlin einmal zu besuchen.

Doch kaum war der Bär ein, zwei Tage lang bei uns, da stellte sich heraus: Es ist ein Problembär. Ein Schafe mordendes, Menschen ungeniert sich näherndes Ungeheuer! So viele Bären leben in Österreich, Slowenien und sonst wo, ungestört, ohne Zwischenfall, nach Deutschland aber wandert der einzige Problembär weit und breit ein. Und was macht er? Löst eine Debatte aus. Über unser Verhältnis zum Wilden und Rohen im Allgemeinen. Über Sozialarbeit an Bären im Besonderen. Über die Frage, ob man den Bären erschießen soll. (Früher wäre das ein Fall für Jägersmann F. J. Strauß gewesen – aber heute? Für einen wie Dick Cheney vielleicht. Aber wer begleitet ihn?) Über die Frage, ob man nicht auch Hunde und Autofahrer erschießen sollte, die mehr Schaden anrichten als die allerproblematischsten Bären. In der „Süddeutschen Zeitung“ stand, nötig sei ein „umfassendes Wildtiermanagement“. Das ist auf jeden Fall richtig. Eine Bundeswildtier-Agentur, Erfassung aller in Deutschland lebenden Wildtiere, Meldepflicht für Problemtiere.

Aber kann der Staat alles tun? Muss nicht die strenge Aufforderung an die Bären ergehen, dies Problem selbst zu lösen? Ist unsere permissive Gesellschaft zu tolerant Tieren gegenüber? Muss man nicht auch Bären zu den Werten einer humanen Gesellschaft führen? Fraglos ein Thema für einen Schulaufsatz. Dazu eine Geschichte: Zwei Wanderer begegnen einem Bären und fliehen, bis der eine stehen bleibt, den Rucksack abwirft, Joggingschuhe auspackt, sie anzieht und damit weiter rennt. Der andere ruft: „So ein Unsinn! Damit bist du auch nicht schneller als der Bär!“ Antwortet der Erste: „Ich muss nicht schneller sein als der Bär. Ich muss schneller sein als du!“ Nehmen Sie Stellung zu der Geschichte! Was sagt sie über unsere Gesellschaft aus? Schreiben Sie mindestens 500 Wörter und diskutieren Sie das Ergebnis mit Ihrem Teddy.

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