Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Neulich im Buchladen. Der Tisch mit den vielen Fußballbüchern, die zur WM erschienen sind. Mittendrin: „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter.“ Von Peter Handke. Dazu jetzt mal, ganz im Ernst, in großer Ruhe und zum letzten Mal, zum Mitschreiben (auch für Buchhändler): „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ ist kein Fußballbuch! Ich will es nie wieder auf einem Fußballbuchtisch sehen! Es hat mit Fußball nichts zu tun, außer dass die Hauptfigur ein ehemaliger Tormann ist und am Schluss eine Elfmeterszene geschildert wird, bei welcher der Tormann sich nicht bewegt und der Schütze ihm direkt in die Hände schießt. Auch das hat mit Fußball wenig zu tun. So was ist auf einem Fußballfeld praktisch nie vorgekommen.

Und noch etwas: Ich möchte auch nie wieder hören, dass ein Mensch, der „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ nie gelesen hat, sagt, eine Angst des Tormanns beim Elfmeter gebe es nicht, der Buchtitel sei fußballfremd, denn der Tormann sei derjenige, welcher beim Elfmeter keine Angst haben müsse. Der Schütze hingegen müsse sich fürchten, jeder erwarte von ihm ein Tor, vom Tormann hingegen erwarte niemand etwas. Das ist zwar richtig, aber es hat mit Handke nichts zu tun, denn, wie gesagt, sein Buch ist kein Fußballbuch, und jeder, der es gelesen hat, weiß, dass Handke von Fußball vermutlich so wenig Ahnung hat wie Fußballer von Handke. Handkes Problem ist, dass alle möglichen Quatschköpfe seine Buchtitel kennen, aber nie mehr als die. Publikumsbeschimpfung. Der kurze Brief zum langen Abschied. Die Linkshändige Frau. Die Unvernünftigen sterben aus. Diese Sachen. Nicht mal alle in der Jury, die Handke kürzlich den Heine-Preis zuerkannt hat, haben das gelesen, geschweige denn die Politiker im Düsseldorfer Stadtrat, die ihm den Heine-Preis wieder aberkennen wollten. Niemand hat Handke gelesen, aber alle zitieren ihn, dauernd. Manchmal denkt man, die Jury hätte ihm den Preis nur geben wollen, weil sie dachte, jetzt sei es für Düsseldorf (wo kein einziges WM-Spiel stattfindet) eine schöne Geste, einen Fußballbuch-Autor auszuzeichnen.

Auf die WM übertragen, würden die Vorgänge um den Heine-Preis bedeuten, dass man nach dem Endspiel zwar einen Weltmeister hätte, dieser aber vom Bundestag bestätigt werden müsste. Nehmen wir an, Italien hätte Deutschland 4:0 geschlagen, müsste also die Trophäe bekommen – doch ein Politiker nach dem anderen meldete sich und sagte: Italien, nein, zwar habe man kein Spiel gesehen, man habe keine Karten geschenkt bekommen, aber man habe gehört, in Italien gebe es einen Fußball-Skandal und überhaupt: Berlusconi, der auch ein Fußball-Krake sei. Würde Italien verzichten? Eher nicht. Aber Handke hat verzichtet. Ein Autor ist empfindlicher als die Fußball-Rabauken. Oder will er nur in Ruhe, pssst … Fußball gucken?

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