Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Für die Raucher wird es nun auch in Deutschland eng, bald wird es keine Werbung fürs Rauchen mehr geben, dann wird es in Lokalen verboten, und am Schluss kann man selbst im Fußballstadion nicht mehr paffen, welch ein Gedanke! Früher saß auf jeder zweiten Trainerbank ein Raucher, Happel und Menotti, die Großen, allen voran – und heute? Vor ein paar Tagen sah ich einen schmöken, war es der Serbe, war es Argentiniens Pekerman? Jedenfalls sieht er aus wie ein Raucher. Na, die meisten werden sich eine Dreiviertelstunde lang des Qualmens enthalten können, aber kommen wir zu einem Bereich, in dem Rauchen unersetzlich zu sein scheint. Dem Film.

Man fragt sich, was aus der Filmgeschichte wird, wenn öffentliches Rauchen verboten sein wird. Von Bogart bis Mastroianni haben alle Großen geraucht, Bogart ist ohne Rauchen als Schauspieler nicht denkbar, er ist unsterblich als Rick und als Marlowe. (Als Mensch hingegen hätte er ohne Rauchen nur gut zwanzig Jahre länger leben können, ebenso wie Mastroianni übrigens.) War es Brecht, der gesagt hat, sich rauchend zu verhalten, sei der Inbegriff des souveränen Gebarens? So ist es im Film immer eingesetzt worden, aber auch anders. Es ist ein Unterschied, ob man aggressiv mit der Zigarette in der Hand auf jemanden deutet oder, wie der Soldat, die Kippe in der hohlen Hand hält, das hat schon was von Selbstaufgabe. Oder ob man sich in Schwaden hüllt wie Maigret – um nachzudenken. Rauchen als Maske.

Praktisch alle großen Detektive waren Raucher, Holmes (der sogar kokste, aber nur wenn es gerade kein Verbrechen gab), Studer, Marlowe, Maigret, Poirot. Die Verbrechensaufklärungsrate (ein Wort, lang wie eine Zigarette) muss sinken, wenn der Kommissar vom Mörder wegen Gesundheitsschädigung verklagt wird, falls er ihn rauchend verhört. Eine Welt von Gesten verschwindet, nicht dass es so schlimm wäre, aber wie ersetzt man das? Lucky Luke hatte eines Tages nur noch einen Grashalm im Mund, Kojak seine Lollies. Und Serien wie „Marienhof“ und „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ haben das Rauchfrei- Siegel des Aktionsbündnisses Nichtrauchen, nicht schlecht, aber es ist kein Oscar. Was aus Kommissaren wird, die nicht rauchen, sieht man an Donna Leons Brunetti, er isst dauernd und kämpft mit dem Gewicht, auch ist er zwar ein netter Kerl, aber kein wirklich Großer.

In Untersuchungen amerikanischer Filme hat man festgestellt, dass dort heute so viel geraucht wird wie in den fünfziger Jahren, fast elf Zigaretten pro Filmstunde, allerdings mehr von den Schurken als von Guten. Das hat die Raucherquote bei männlichen Zuschauern reduziert, bei Frauen indes angehoben – da sieht man’s wieder! Letztlich ist alles eine Herausforderung für Schauspieler, und übrigens könnte ein Remake von „Casablanca“ ohne Zigaretten ein richtig lustiger Film sein …

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