Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Hitzefrei, ein schönes Wort, es erinnert an Tage, an denen wir zur Schule gingen wie an anderen Tagen, an denen aber schon während der ersten Pause ein Gerücht umlief … An denen man sich die steigenden Wärmegrade auf dem Thermometer im Rektorat zuflüsterte. Und an denen um elf Uhr tatsächlich alles aus war, Unterricht, Schule, die angekündigte Deutscharbeit, alles, alles aus. Wir wurden entlassen in unerwartete Freiheit. Das war schön.

Nun haben wir Sommer. Heiße Tage. Und zufällig entdeckt man eine kleine Nachricht, wonach im Saarland das Hitzefrei (was für ein seltsam-besonderes Substantiv!) abgeschafft werden soll. Ausgerechnet im Saarland, dem heißesten aller Bundesländer, Inhaber des deutschen Temperaturrekordes, errungen am 8. August 2003 mit 40,8 Grad im Schatten. Nicht nur die Bundesregierung nutzt die Fußball-Weltmeisterschaft, die ja einzig und allein mit dem Ziel veranstaltet wird, den Bürger vom politischen Betrieb abzulenken, seine Sinne zu betäuben und ihn unempfindlich zu machen für die Senkung von Pendlerpauschale und Sparerfreibeträgen, nicht nur die Bundesregierung also nutzt dieses Volks-Opium für ihre Zwecke, nein, auch die saarländische Landesregierung glaubt, im Schatten (!) der großen Sache ihre kleinen Ziele verfolgen zu können. Das hat etwas Ekelhaftes.

Es ist an der Zeit, die Frage zu stellen, ob in Zeiten weltweit steigender Temperaturen Hitzefrei noch Ländersache sein kann. Ob nicht „Brüssel“, von wo aus ohnehin die meisten unserer wesentlichen Angelegenheiten in überaus angenehmer Weise geregelt werden, auch dies an sich ziehen sollte. Ein eigenes Hitzekommissariat wäre zu schaffen, das einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Temperaturregionen unseres lieben Kontinentes schaffen müsste.

Denn es ist nicht gerecht zu nennen, dass finnische Schüler seit Jahren aus der Kühle ihres Landes einen Vorteil ziehen. Sie kennen praktisch kein Hitzefrei, lernen deshalb mehr und dominieren in unerträglicher Weise die Pisa-Tabellen, während die Menschen Deutschlands ihr siedendes Hirnwasser im Bad kühlen müssen. Man müsste also, um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, zunächst eine EU-weite Hitzefreigrenze bei, sagen wir, 25 Grad festlegen, die landesspezifisch anzupassen wäre. Die Finnen müsste man zwingen, bereits bei 22 Grad Hitzefrei zu nehmen. Die ihnen abgezogenen drei Grad aber wären nach dem Vorbild des Emissions-Handels im Kyoto-Protokoll nach Deutschland zu transferieren, wo bei 28 Grad Hitzefrei in Kraft träte.

Das ist mehr als bisher, aber Hitzefrei wäre als solches gerettet. Gleichzeitig würden die ungerechtfertigten schulischen Vorsprünge der Finnen abgebaut. Und: neue Arbeitsplätze in Brüssel! Ein genialer Plan. Und was mache ich jetzt? Ab in den See!

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