Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Über das Schwimmen ist schon viel Schönes gesagt und geschrieben worden. Byron und Goethe, Scott Fitzgerald und Tennessee Williams, Jack London und Walt Whitman, sie alle liebten das Schwimmen, wobei übrigens Fitzgerald weniger selbst ein guter Schwimmer war (er schämte sich für seine Füße und ging nur selten an den Strand) als vielmehr ein Verehrer der Schwimmkünste seiner Frau Zelda und seiner Tochter, denen er in einem Abschiedsbrief schrieb: Alles, woran er noch denken wolle, sei, „wie sie beide im Wasser schwimmen, anmutig und durchtrainiert“. Zelda schrieb ihrerseits an Scott, sie wünschte sich, „wir könnten den Juli am Meer verbringen, braun werden und beim Eintauchen das Gewicht unserer wassergetränkten Haare im Nacken spüren“.

Der Juli am Meer. „Denke ich an vollkommen glückliche Tage zurück, dann sind das fast immer Sommertage“, schrieb der Franzose Paul Morand in seinen „Aufzeichnungen eines notorischen Schwimmers“. Und es seien immer Tage gewesen, an denen er geschwommen sei. Aus dem Wasser steigen und sich an einen warmen Strand legen – im tiefsten Innern fühlt sich der Mensch da an die Geburt seiner Gattung erinnert. Wir kommen aus dem Meer, und immer noch gibt es kaum eine schönere Bewegung als die eines Kraulers, der nicht steif aufs Wasser einschlägt, sondern harmonisch mit ihm verwächst.

Für Murray Rose, den herausragenden Schwimmer der Olympischen Spiele von Melbourne 1956, war Schwimmen eine eindringlich sinnliche Angelegenheit, rhythmische Folge von Wassergeräuschen und Atem. Vor einem Rennen hörte er Glenn Millers „In the Mood“, es passte genau zu seinem Kraulrhythmus. (Man lese das nach in Charles Sprawsons wunderbarem Buch über „Die Kulturgeschichte des Schwimmens“.)

Schwimmen kultiviert den Menschen und führt ihn gleichzeitig an seine Ursprünge zurück. In diesem Sinne muss man erstens begrüßen, dass einige Berliner Sommerbäder nun bis 21 Uhr geöffnet haben sollen. Zweitens aber hören wir mit Schrecken, was die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft mitteilt: dass rund ein Viertel der Deutschen nicht oder nur schlecht schwimmen kann. Und dass mit der Hitze auch die Zahl der Ertrunkenen gestiegen ist und weiter steigen wird. Menschen gehen ins Wasser und können nicht schwimmen, weil ein öffentliches Bad nach dem anderen schließt, es zu wenig Schwimmunterricht gibt und wir nur noch Spaßbäder haben, in denen Schwimmen durch Planschen ersetzt wird. Immer wenn er seine Schüler beim Schwimmen beobachtet habe, sei er beeindruckt gewesen, wie sie „im Elemente, das sie zu verschlingen droht, sich leichter fühlen, von ihm gehoben und getragen sind“, sagt der Internatsleiter in Goethes „Wilhelm Meister“. So ist das: Nur wer schwimmen kann, ist ein freier Mensch.

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