Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Jubiläen 2006 (I): 75 Jahre Wohnwagen in Deutschland. Natürlich gab es Wohnwagen schon immer, jedenfalls, seit das Rad erfunden ist. Kleopatra und Marc Anton fuhren auf einem mit Bett und Sonnendach ausgestatteten Wagen zur Vogeljagd, erzählt Ulrich Kubisch in seinem Standardwerk „Wohnwagen“. Napoleon lenkte manche Schlacht aus dem Caravan, und Goethe ließ sich in einer Wohnchaise samt Sekretär und Ofen zur Kanonade von Valmy chauffieren. Was waren die Planwagen der Siedler anderes als Wohnwagen? Westernfreunde erinnern sich, wie die Rothaut während voller Fahrt von hinten den Wagen bestieg und vorschlich, dem Kutscher die Kehle zu schlitzen.

Aber in Deutschland entsprang die Wagenbewegung der Liebe. Ein Herr namens Dethleffs war als Vertreter der Peitschen- und Skistockfabrik des Vaters viel auf Reisen. Doch war seine junge Frau von ihm nicht gern getrennt, weshalb sie von einem „Zigeunerwagen“ träumte, „in dem wir gemeinsam fahren könnten“. Sofort entwarf und baute der liebende D. einen solchen, mit Hubdach und Blechwanne, diese unter einer Bodenluke: Dort wurden die Windeln der Tochter während der Fahrt in schwappender Lauge gewaschen. Das war 1931. (Die Firma Dethleffs gibt es noch heute. Sie baut aber keine Peitschenstöcke mehr, sondern, sieh an!, Caravans.)

Die Dreißiger: charmante Zeiten des Wohnens im Wagen. Der Berliner Reisejournalist Theo Rockenfeller (was für eine Name!) fuhr mit einem Anhänger vom Typ „Karawane“ bis in die Sahara und schrieb, er werde nie verstehen, warum die Leute immer lachten, wenn er mit dem Wohnwagen kam: „Weil wir mit unserer ‚rollenden‘ Heimat hintendran das Musterbeispiel eines blühenden, lebensbejahenden Optimismus sind?“ Oder weil man ihn einfach ulkig fand? Jedenfalls gab es nicht mal einen Kühlschrank, also waren die Camper immer auf der Suche nach frischen Lebensmitteln. Die „Allgemeine Automobil-Zeitung“ riet: „Man scheue sich daher nicht, das in den Dörfern überfahrene Geflügel aufzuheben. Die kleine Mühe lohnt sich immer, und die betreffenden Eigentümer merken erst etwas davon, wenn man längst wieder über alle Berge ist.“

Wie die Wagen damals hießen! Der Zeltcaravan „Hausdabei“ war der erste deutsche Serienwohnwagen. Später: „Kleiner Strolch“ oder „Landstreicher“. Dann: Student, Referent, Piccolo, Südwind, Suleica: der Superleichtcaravan. Heute: Beduin Emotion. Puccini. Wurzelholz-Optik. Alu-Applikationen. Federkernmatratzen. Aber immer noch überkam in den Ferien gewiss manchen Autofahrer, während er hinter einer Kolonne holländischer Caravans schlich, der Karl-May-Gedanke: Könnte ich nicht von hinten diesen Wagen besteigen, nach vorne klettern auf Indianerart, um mit dem Mann am Lenkrad die Verkehrslage, ähm: durchzusprechen?

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