Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Sagen Sie, läuft der neue Bond jetzt? Ist er im Kino? Schön. Dann ist in den Zeitungen wieder Platz für anderes. Es war zu viel. Bond hier, Bond da, zuletzt las ich in der „Welt“ schon eine Überschrift: „Die beste Bond-Mahlzeit aller Zeiten“. Es ging um den Protest amerikanischer Frauen dagegen, dass man eine Mutter des Flugzeugs verwiesen hatte, als sie ihr Baby stillte. Und in der Zeile war bloß von der „besten Bord-Mahlzeit“ die Rede.

Ausufernde Vorberichterstattung – das wird immer schlimmer, zuletzt beim Borat-Film, über den man, bevor er lief, lesen konnte, man müsse froh sein, nicht mit eingenässter Hose aus dem Kino zu kommen, ja, in einem Fall habe sich ein wichtiger Journalist nur beruhigen können, indem er einen Untergebenen in den Hals biss. In einen solchen Streifen (ah, das schöne Wort „Streifen“, warum benutzt niemand es mehr, wenn von Filmen die Rede ist?) geht man natürlich mit Erwartungen, die nur enttäuscht werden können. So ging’s mir bei Borat. Guter Film. Aber nicht so komisch wie angekündigt.

Überdruss, Leitgefühl der kommenden Wochen. Schon jetzt gehen einem Weihnachtsdekorationen auf die Nerven. Diese Gesellschaft hat großes Talent, einem alles zu vermiesen durch Überfülle. Um auf Bond zurückzukommen: In der Haushaltsdebatte des Bundestages sagte der FDP-Mann Brüderle, der in einem Bond-Film nicht mal als Olivenspieß besetzt würde, die Bürger fühlten sich unter der großen Koalition „wie der Martini bei James Bond: geschüttelt, aber nicht gerührt“.

Tja, so was fällt vom Zweig, wenn MdB Brüderle am Metaphernbäumchen rüttelt. Weit hast du es gebracht, Bond! Übrigens konnte man auch in ziemlich jeder Zeitung lesen, dass ein Trinker von Stil (also nicht Bond) seinen Wodka-Martini (nicht: Aston-Martini!, das war mal das Bond-Auto, oder?) eben nicht geschüttelt, sondern gerührt zu sich nimmt, weil das Getränk beim Schütteln trüb wird, beim Rühren aber klar bleibt. Wobei man sich fragt, was den Unterschied ausmacht, man will einen Drink ja nicht stundenlang betrachten.

Zur Bond-Vorberichterstattung gehörte neben Ausflügen in die Geschichte des Bond-Girls, der deutschen Bösen, des Bond-Autos, dass uns erstens geschildert wurde, wie Oberlump Le Chiffre Herrn Bond auf einen Stuhl mit herausgeschnittener Sitzfläche schnallt und dann mit einem Tau „auf Bonds Geschlechtsteil einpeitscht“ („Die Zeit“). Dass zweitens Mister Craig aber im Interview bekannt gab, zwischen seinem Gemächt und Le Chiffres Tau habe sich eine Fiberglasplatte befunden.

Wie soll man, dies wissend, sich dem Kinofilm überlassen? Man wird bei der Szene nur an Fiberglas denken und wie gut Craig das spielt, mit „aus tiefstem Innern hervorbrechendem Schrei“ (wieder „Die Zeit“).

Vielleicht schaue ich’s mir nicht mehr an, ich weiß zu viel.

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