Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Wir sind umgeben von Maschinen. Hilfreichen, wunderbaren Maschinen. Wünschen wir einen Kaffee, treten wir vor, schalten eine Kaffee-Maschine ein und entnehmen ihr einen Kaffee. Gelüstet es uns nach einer Fahrt von A Richtung B, setzen wir uns in ein Auto und fahren Bwärts, ja sogar nach C oder D. Möchten wir einen Text verfassen, hocken wir uns vor einen Computer und schreiben. (Oder auch nicht. In diesem Fall aber liegt es selten am Computer, dass kein Text entsteht. Sondern an unseren kleinen, blöden, abgestumpften Hirnen, denen kein Text zu entpressen ist. Die Maschine wäre bereit.)

Also ist es schön, dass es Maschinen gibt, nicht wahr? Es erleichtert unser Leben. Es ermöglicht uns Konzentration auf das Wichtige. Umso seltsamer mutet an, was nun in Bonn geschah, wo der Schach-Weltmeister Kramnik gegen den Schach-Computer Deep Fritz spielte. Und verlor – was von Kommentatoren mit melancholischen Anmerkungen versehen wurde. Endgültig sei nun der Mensch (jedenfalls im Schach) der Maschine unterlegen.

Ich verstehe das nicht. Hier steht offensichtlich eine Maschine zur Verfügung, die uns von der Last des Schachspielens befreien könnte, jenem langwierigen, zeitraubenden, auch ungesunden Herumsitzen vor Schachbrettern, jenem Gegrübel in schlechter Luft, jenem Hirn und Gefühl quälenden Spiel, das Menschen wie Bobby Fischer in den Wahnsinn getrieben hat. Endlich! Wie viele Generationen haben sich geplagt! Nun könnte Schluss damit sein, man könnte Computer gegeneinander spielen lassen, in jeder unserer Wohnungen auf höchstem Niveau. Und selbst, statt auf ein kariertes Brett zu glotzen und viel zu schwache, uninteressante Züge zu machen, sich der Liebe hingeben.

Und was geschieht? Es wird geklagt. Dass der Mensch der Maschine unterlegen sei. Ja, Himmel, das ist doch das Gute! Das haben wir erstrebt! Dass endlich das Schachjoch von uns genommen wird. Wir haben Großes erreicht: Der Mensch muss nicht mehr Schach spielen! Wie schön wäre es, man erfände nun auch (zum Beispiel) Computer, die Skispringen könnten. Und dann Computer, die den Computern beim Skispringen zusehen würden, so dass uns die Vier-Schanzen-Tournee egal sein könnte. Oder jemand ersönne einen Roboter, der spazieren gehen kann, so dass die Mühsal sonntäglicher Gänge über schlammige Wege, an deprimierend grünen Seen, an einer viel zu frischen Luft entfiele.

Ja, wäre es nicht denkbar, Maschinen würden überhaupt in absehbarem Zeitraum unser ganzes Leben übernehmen? So dass die ja sowieso längst nur zu deutlich erkennbare Überflüssigkeit der Menschheit endlich auch ganz real zu ihrer Ablösung führen könnte?: durch Kaffee trinkende, Auto fahrende, Texte verfassende, Schach spielende, Ski springende, Frischluft schnappende Apparate …

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