Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Die Auseinandersetzung um besseren Schutz der Nichtraucher vor den Rauchern hat Ausmaße erreicht, dass man sich fragt: Wie konnten wir bisher gemeinsam in einem Land leben? Es ist nicht so lange her, dass dieses Land in zwei geteilt war – müsste man darauf nicht zurückkommen? Oder wenigstens ganze Bundesländer jeweils Rauchern und Nichtrauchern zur Verfügung stellen, Rauchland-Pfalz zum Beispiel und Nichtrauch-Westfalen?

In Bayern ist eine wunderschöne Spezialdebatte über Rauchen in Bierzelten in Gang gekommen. Der dortige Gaststättenverband hat in Person des Vorsitzenden Gallus ein Rauchverbot nicht nur in Lokalen, sondern auch in Bierzelten verlangt, woraufhin die Oktoberfestwirte den Verband verlassen haben, ja, der frühere Sprecher der Münchner Wiesnwirte, Richard Süßmeier (der bereits mit brennender Zigarre im Mund sowie einem Maßkrug in der Hand zur Welt kam) sagte, es hätte ihn nicht gewundert, wenn Gallus ein Zelt-Rauchverbot „auch rückwirkend“ gefordert hätte. Gallus entgegnete, wenn man Rauchen in Bierzelten erlaube, in Lokalen aber nicht, werde ein cleverer Mensch ein Raucherzelt eröffnen, „Bierzelt“ nennen und vor bayerischen Wirtschaften aufschlagen. Was bleibt dem Wirt dann? Den „Gasthof zur Post“ in „Bierzelt“ umtaufen?

Gallus sagt, in Oktoberfestzelten habe man eine Feinstaubbelastung gemessen, zwanzig Mal höher als auf der Landshuter Allee (eine von den Münchnern gern intensiv befahrene Straße)! Was erstens Süßmeier Recht gibt, der sagt: „Die Wiesn ist keine Heilanstalt.“ Zweitens aber die Frage aufwirft, wo Raucher überhaupt noch rauchen dürfen. Wenn sie es auf dem Oktoberfest nicht mehr können – in der Heilanstalt dürfen sie’s gewiss nicht. Und draußen auf den Straßen wird man es auch verbieten müssen, denn da wollten wir die Feinstaubbelastung reduzieren und nicht weiter hoch treiben, oder?

Die entscheidende Frage also: Wohin mit den Rauchern? Von den bayerischen Skigebieten hat man erfahren, dass sie mit der Zukunft ringen, weil sie in Folge des Klimawandels keinen Schnee mehr haben, was die Möglichkeiten zum Skifahren empfindlich einschränkt. Vielleicht könnte man hier auf die Bedürfnisse chronischer Raucher eingehen und spezielle Formen des Urlaubs anbieten, „Rauchen auf dem Bauernhof“ oder so. Und mit der Asche könnte man die Pisten bestreuen, so dass eine schneeartige Unterlage geschaffen würde. Dann singen in den Raucherhütten am Berg alle gemeinsam: Zwoa Brettln, a gführiga Schnee, öch, öch…

Gerade erfahre ich, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Poß sei zum „Pfeifenraucher des Jahres“ ernannt worden, Peter Struck werde die Laudatio halten. An welchem Ort der Festakt stattfindet, ist wohl unklar, er wird aber weiträumig abgesperrt.

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