Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Zwei Nachrichten aus dem Leben großer Männer. Nummer eins: Die Zeitschrift „Vanity Fair“ überraschte uns dieser Tage mit ebenso aufregenden, wie möglicherweise ungenehmigten Fotos eines jungen Mannes namens Grasser, der die Jahre 2000 bis 2007 als Finanzminister in der österreichischen Bundesregierung zugebracht hat. Schon mit 31 geriet er in dieses Amt, welches er, wie man hört, mit großem Erfolg versah. Indes fand er nebenbei noch Zeit für eine umfassende, das Land Österreich erregende Liebe: zur „Swarovski-Kristall-Erbin“ Fiona nämlich, der er nun, nach seinem Rücktritt, ganz und gar gehört.

Wir sehen Herrn Grasser in der Blüte seiner 39 Jahre als Model in einem Anzug von Valentino und Schuhen von Church’s, dann wieder auf ein Bett gebreitet in einem Smokinghemd von Charvet und einem Morgenrock von Ferragamo, schließlich in einem namenlosen Streifenanzug, unter dem er kein Hemd trägt, sondern die blanke Brust, auf der so viele Haare zu sehen sind, wie der liebe Gott benötigte, um eine Augenbraue für Theo Waigel zu formen.

Wann hätten wir je in Deutschland einen solchen Finanzminister gehabt?! Dachten wir nicht immer, ein guter Etatverwalter müsse sein wie Hans Eichel: mit Hang zum Selberputzen daheim, alle Aldi-Preise im Kopf, den Anzug von C&A? Man stelle sich Peer Steinbrück in einem Boudoir vor, die Brust entblößt, die Hand am Weißweinglas – aber immer hart auf Stabilitätskurs! Allenfalls Oskar Lafontaine hätte man so etwas zugetraut; das mit dem Wein und der bloßen Brust jedenfalls, den Stabilitätskurs nun wieder nicht.

Nachricht Nummer zwei, ebenfalls einen Ex-Magnaten betreffend: unseren lieben Jürgen Schrempp, ehemals bei Daimler-Chrysler beschäftigt. Erinnert sich jemand an die schönen Zeiten, in denen Schrempp einen Weltkonzern schuf? Wie der Globus dem Großmanager zu Füßen lag, dem Schmied weltumspannender Allianzen, in dessen Auto- Reich die Sonne nie unterging? Allein, das Einzige, das dem Mann wirklich gelang, war: den Börsenwert seiner Firma in die Knie zu zwingen. Diese Woche nun rauschte der Kurs in die Höhe, nur weil der Daimler-Chrysler- Vorstand öffentlich erwog, den von Schrempp geschaffenen Konzern wieder zu zerlegen. Nur einmal in den vergangenen Jahren gab es eine ähnlich schöne Bewegung aufwärts: als Schrempp zurücktrat. Als Bilanz eines Lebenswerks klingt das bitter, doch hätte sich Schrempp damals, als er selbst den Börsenwert seiner Firma halbiert hatte, kräftig mit Daimler-Aktien eingedeckt, wäre er allein durch Rücktritt noch wohlhabender geworden, als er es eh schon war. Man sieht: Es gibt in der Spitze unserer Gesellschaft Existenzformen, in denen nichts mehr schiefgehen kann.

Nur zu einer schönen Fotostrecke in „Vanity Fair“ reicht es natürlich bei einer solchen Lebensleistung nicht.

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