Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Wieder ein Wort gelernt: Snowfarming. „Wir bestellen die Schneeflächen wie ein Bauer seine Felder“, sagte Frank Huber, bei der Bayerischen Zugspitzbahn für das Skigebiet auf dem dortigen Gletscher zuständig, der FAZ in einem Interview. Schneebauer Huber beschrieb seine Arbeit: wie er mit seinen Leuten jetzt riesige Planen auf dem Gletscher ausrollt, um ihn vor der Sonnenbestrahlung zu schützen, und wie er im Winter Schnee-Depots anlegt und sie über den Sommer zu bringen versucht.

Snowfarming. Das Wort erinnert an eine der besten Nummern des großen Gerhard Polt, der als Bürgermeister von Bad Hausen die touristischen Möglichkeiten im Gemeindegebiet preist: Mushroom-Searching, Weißwurst-Zutzeling und Fresh-Air-Snapping. Des Weiteren führt es in eine Vergangenheit, in der man Wintereis für den Sommer aufbewahrte, indem man es in Höhlen schaffte, Icefarming. Der bayerische Biergarten ist teils aus solchen Notwendigkeiten entstanden; man pflanzte Kastanien über Kühlhöhlen, in denen auch Bier lagerte – und wenn die Kastanien da schon mal standen, konnte man sich auch drunter setzen und … So entstand Beer-Drinking als aktive Freizeitgestaltung.

Welche weiteren Möglichkeiten stecken im Snowfarming? Zum einen die Diversifizierung in konventionelles und Bio-Schneebauerntum, das bei Vollmond Demeter-Schnee anbaut. Zum anderen die Globalisierung. Schon heute kommen Tomaten (von den Bananen mal ganz abgesehen) aus fernen Ländern. Warum nicht, um im Winter ordnungsgemäßes Skifahren auf Gletschern zu gewährleisten, in Zukunft den Schnee aus kalten Ländern importieren?

Kenner wenden ein, dass es Schneekanonen gebe. Doch wissen Kenner auch um den Unterschied zwischen Natur- und Kunstschnee, dem zwischen Wild- und Zuchtpilz nicht unähnlich. Der Connaisseur zieht Naturschnee vor. Hier liegen Chancen der Alpenindustrie, die Kurse veranstalten wird, in denen man (wie unter Weinfreunden üblich) zwischen sibirischem und antarktischem Naturschnee zu unterscheiden lernt. Sponsored by Langnese.

Als im Winter das Skirennen in Kitzbühel gerettet werden sollte, war es übrigens für Schneekanonen zu warm, so dass man mit Hubschraubern Naturschnee vom Großglockner herbeischaffte (den Sturm „Kyrill“ in einem Tag gierig aufleckte). Auch solchen Notwendigkeiten wäre durch sinnvolles Snowfarming vorzubeugen. Schnee ist längst so kostbar, dass in manchen Wintern Raubzüge schneearmer Wintersportorte zu fürchten sind, bei denen höher gelegene Skigebiete geplündert würden. Dass also Kitzbüheler Banden mit Hubschraubern etwa St. Anton am Arlberg überfallen, um Schnee zu erbeuten! Auch diesen Versuchungen gilt es, durch die Schaffung eines moralisch gefestigten Schneebauernstandes vorzubeugen.

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