Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

-

Viele Autos sind nach Menschen benannt: Henry Ford, Adam Opel, Armand Peugeot, Kiichiro Toyoda, Enzo Ferrari, Ferdinand Porsche und viele andere haben den Sprung in die Unvergesslichkeit geschafft. Nur „General Motors“ erinnert, um bei der Gelegenheit mal mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen, nicht an einen berühmten Feldherrn. Aber wurde je ein Mensch nach einem Automobil getauft? Jawoll, meine Herrn!

Emil Jellinek gelang es, 15 Jahre vor dem Tod seinen Namen in Emil Jellinek-Mercedes zu ändern, eine kuriose Geschichte, denn eigentlich war das erste Mercedes-Auto (dessen Erbauer Wilhelm Maybach war) nach Mercedes Jellinek benannt, der Tochter Emils, der ein geschickter Kaufmann war und sich den Alleinvertrieb des Wagens in Österreich-Ungarn, Frankreich, Belgien und den USA sicherte. Am Ende, 1918, hieß er Jellinek-Mercedes und seine Tochter Mercedes Jellinek, sehr hübsch, oder?

Die Firma, die den Mercedes-Wagen baute, wurde dann 1926 Daimler-Benz genannt, nach Gottlieb Daimler und Karl Benz, den beiden Automobil-Pionieren, die sich im richtigen Leben nie begegnet sind. Und Daimler-Benz hieß geschlagene 72 Jahre lang Daimler-Benz, bis es Jürgen Schrempp gefiel, die Firma in Daimler-Chrysler umzubenennen, ein Skandal, denn der Name Karl Benz’ fiel weg, obwohl er es war, dem für ein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“1886 das Reichspatent Nr. 37435 zuerkannt worden war, allgemein anerkannt als Geburtsurkunde des Automobils.

Viel eher als Mercedes-Benz hätten die Autos übrigens „Berta Benz“ heißen müssen, denn Karls gleichnamige Ehefrau war es, die zusammen mit den Söhnen Eugen und Richard die erste Fernfahrt mit einem Benz unternahm, von Mann- nach Pforzheim, siebzig Kilometer. Heute dauert das nicht mal eine Stunde, damals einen Tag. Den Vergaser reparierten die Söhne mit Bertas Hutnadel, die Elektrik mit ihrem Strumpfband. Und weil das so war, ist es eine Ungerechtigkeit gewesen, Benz’ Namen beim Schmieden eines Weltkonzerns einfach durch den Walter P. Chryslers zu ersetzen, der weniger Erfinder als genialer Unternehmer war und dessen Verdienste … Lassen wir das. Andererseits: War es nicht doch richtig? So wurde Benz’ Andenken nicht mit der Erinnerung an jene Firmenfusion beschmutzt, mit der Jürgen Schrempp seinerzeit den Aktienkurs seiner Firma so spektakulär halbierte.

Aber jetzt! Jetzt hätte man den alten Namen „Daimler-Benz AG“ wieder benutzen können, nicht wahr? Stattdessen heißt die Firma, mit der es wieder bergaufgehen soll, nun einfach „Daimler AG“, eine Gemeinheit und der endgültige Beweis, dass es in der Welt der Autonamen oft ungerecht zugeht. Aber das wussten wir im Grunde schon, sonst hätten wir vor Jahren das Umtaufen Jürgen Schrempps in Jürgen Daimler-Chrysler beantragt.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben