Politik : Und was mache ich jetzt?

Früher haben uns die Japaner alles nachgemacht, kauften deutsche Autos und deutsche Fotoapparate und bauten sie nach, um sie billiger zu verkaufen. So ist Japan groß geworden, steckt aber nun seit längerem in einer nicht enden wollenden Wirtschaftskrise. Warum? Weil uns Deutschen nichts mehr einfällt, das man nachmachen könnte, wir sind ja selbst am Ende. Dieses Land hat sich weitgehend aufgegeben. Wer nennt die Namen unserer Krisen, von Pisa bis Köln, von Holzmann bis Kirch? Nur eine Branche resigniert nicht, nur eine Branche kämpft: die deutsche Geflügelwirtschaft. In Bonn hat sich jüngst der "Bundesverband Deutsches Ei" gegründet. Und zwar warum? "Die Eierwirtschaft will die Schlagkraft ihrer Berufsvertretung verbessern", heißt es in einer Mitteilung. Erst mit verbesserter Schlagkraft wird man dann den angestrebten "Bundesverband Deutsches Rührei" bilden können, was, hihi?

Nein, ernstes Thema. Die deutschen Eiermacher sehen sich nämlich scharfer auswärtiger Konkurrenz gegenüber. Ab 2007 dürfen sie ihre Hühner nicht mehr in Käfigen schinden, die Ausländer aber können das weiterhin noch lange tun, in der EU und anderswo. So werden bald billige Eier aus anderen Ländern in Massen nach Deutschland rollen. Russisch Ei. Tschech-Ei. Wird auch Japan das Land des aufgehenden Eies? Man hat sich im Ausland nicht nur die Konstruktionspläne deutscher Hühnerquälerkäfige beschafft, sondern auch die deutscher Hühner, ja, des deutschen Eies selbst. Nun wird unser Wert-Ei jenseits der Grenzen nachgelegt, eine Tragödie, bedenkt man, dass bisher pro Jahr in Deutschland 14,5 Milliarden Eier hergestellt wurden. Dagegen ist die Autoindustrie mit ihren paar Millionen VWs, Opeln und Mercedessen eine vernachlässigenswerte Größe.

Das deutsche Ei, man darf sagen: die Perle unserer Landwirtschaft. Zerbricht es unter der Walze auswärtiger Konkurrenz? Unvergleichlich, wie sein Cholesterin ins Blut schießt. Unschlagbar sein cw-Wert. Bereits in der zweiten Strophe des Deutschlandliedes wird es gepriesen: "Deutsche Frauen, deutsche Treue,/Deutsches Ei und deutscher Sang/Sollen in der Welt behalten/Ihren alten schönen Klang". Ja, aber wie? Vorbildlich einfallsreich war schon bisher die Marketing-Arbeit der deutschen Geflügelbarone, denke man nur an den unvergesslichen Slogan: "Deutsche Pute, die Gute". Irgendwo las ich jüngst, auch sehr schön: "Geflügel - federleichte Gaumenfreude". Wie wäre es, um in diesem Rahmen zu bleiben, mit: "Deutsches Ei, stets dabei"? Auf jeden Fall sollte sich der Kanzler mehr engagieren, nicht nur Autokanzler sein, auch Eierkanzler. Immerhin verbringt er Ostern wieder mit Frau Köpf, das ist gut. Die Eier aus dem Ausland müssen abgeschreckt werden.

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