Politik : Und was mache ich jetzt?

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Ach ja, nun wird an den Altersgrenzen herumgedoktert: Zigaretten soll man erst ab 16 kaufen können, Waffen erst mit 21 oder sogar 25, und die Volljährigkeit, findet Minister Schily, könnte man auch wieder auf 21 Jahre setzen. Aber das ist alles nicht radikal genug. Man muss doch sehen, dass unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten immer infantiler geworden ist. Dass die Spaßgesellschaft in Wahrheit eine Kindergesellschaft ist. Unsere Fernsehprogramme werden von Kindsköpfen gemacht und von Unreifen angeschaut. An jeder Ecke finden wir Hamburger-Restaurants, in denen so genannte Erwachsene Kindernahrung mit den Fingern essen. In den Chefetagen der Zukunftsindustrien sitzen Personen, die gekleidet sind wie Dreijährige auf einem Kindergeburtstag. So genannte Eltern lassen sich von autoritärem Nachwuchs nach Belieben herumkommandieren. Und allen Ernstes will die FDP jemanden als Kanzlerkandidaten aufstellen, der sich eine 18 auf die Schuhsohlen klebt und dann – wie ein Halbstarker grinsend – seine Füße vor die nächste Kamera hält. So einem Rotzlöffel hätte man früher eine Ohrfeige verpasst und ihn das Papier auf dem Pausenhof aufsammeln lassen. Kanzlerkandidat! Ist es denn zu glauben?!

Wenn wir schon von Altersgrenzen reden, dann von richtigen. Rauchen ab 60, Waffen ab 65 und Volljährigkeit ab 70, das sind die Zahlen, um die es gehen müsste. Führerschein ab 75, das würde auch die Verkehrsprobleme unserer Städte zügig lösen. Aktives Wahlrecht mit 80, passives mit 83. Es ist doch so: Im Mittelalter starben die Menschen mit 30, heute kann einer bei guter Pflege ohne weiteres 85 werden. Wie konnte man da je auf die Idee kommen, Altersgrenzen zu senken statt sie zu erhöhen? Leute, die so alt werden, müssen mehr Zeit haben zu reifen und sich zu entwickeln. Sie sollen ruhig über die Schulhof-Witzeleien von Stefan Raab lachen und in bunten Hemden Mountainbike fahren. Aber sie können nicht gleichzeitig das Wahlrecht haben. Das hat etwas mit Würde zu tun.

Also: Wer zum Beispiel einen Waffenschein will, kann ihn mit 65 beantragen, aber nur, wenn er beim Reinkommen anständig „Guten Tag“ sagt und nicht „Hi“ oder „Hey“ oder „Hallo“. Der Antrag wird dann geprüft. Und natürlich muss jeder, wie beim Führerschein in Amerika, jährlich, nein, besser: monatlich, nein, besser: wöchentlich in einer Prüfung den Nachweis erbringen, ob er die Waffe überhaupt noch halten kann, ob er nicht schon zu sehr zittert, ob er überhaupt noch was sieht, ob er nicht eine Gefahr darstellt für andere. So wären die alten Leute immer beschäftigt, es wird ja viel geklagt über Langeweile im Alter. Natürlich könnte übrigens Schröder nicht mehr Kanzler sein. Zu jung. Soll sich wieder melden, wenn man ein paar graue Haare sieht.

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