Politik : Und was mache ich jetzt?

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Nun hat das Institut der deutschen Wirtschaft festgestellt: Es gibt nicht nur die statistischen, Monat für Monat vom zuständigen Bundesamt gemessenen Preissteigerungen, es gibt auch eine „gefühlte Inflation".

(Nicht zu verwechseln mit der „gefüllten Inflation"; die gibt es nicht.) Die meisten von uns haben das natürlich längst gewusst. Denn wie es viele Menschen gibt, die wetterfühlig sind, die also bei nahenden Gewittern oder heranziehenden Tiefs eine alte Kriegsverletzung schmerzt oder eine Operationsnarbe juckt, so gibt es unter uns auch die Preisfühligen, die beim Betreten teurer Lokale oder bestimmter Modegeschäfte von einem Schwindel befallen werden. Sie müssen sich an ihrem Partner festhalten, und fragt man, was mit ihnen sei, antworten sie: „Ich fühle es, die Preise sind hier so hoch, zehn Prozent mehr als nebenan." Es gibt natürlich auch Leute, die da vollkommen unempfindlich sind. Sie spüren einfach nicht, ob etwas zu teuer ist. Das sind jene, die man dann in der Bank am Geldautomaten sieht, wie sie blassen Gesichts die Maschine umklammern, um nicht ohnmächtig zu werden. Oder wie sie sich in den Papierkorb neben dem Kontoauszugdrucker erbrechen.

Die Inflationsfühligen unter uns aber haben schon seit Wochen gesagt: 1,9 Prozent Preissteigerung seit Einführung des Euro – das kann nicht angehen, es müssen etwa 4,8 Prozent sein. Und was sagt nun das Institut der deutschen Wirtschaft? Die gefühlte Inflation beträgt 4,8 Prozent. Eine schöne Bestätigung für uns Gefühlsmenschen! Jeder von uns hat doch gemerkt, dass der Euro das Leben verteuerte, und dabei haben wir sowieso schon über unsere Verhältnisse gelebt. Kiwi-Früchte sind nach dem Warenkorb des Statistischen Bundesamtes 30 Prozent teurer geworden, Rollmops 15,6 Prozent, Ölsardinen 16,1 Prozent – man weiß ja schon gar nicht mehr, was man essen soll! „Feindesinfektionsmittel" plus 2,3 Prozent, steht da. Feindes-Infektionsmittel? Ach so: Fein-Desinfektionsmittel.

Natürlich gibt es auch Produkte, die billiger wurden: Tintenstrahldrucker zum Beispiel minus 17,2 Prozent oder Spielzeugautos minus 0,4 Prozent. Wahrscheinlich liegt hier die Lösung: Wenn die Preise für neue Absätze von Damenschuhen um 5,7 Prozent gestiegen sind, die Kosten für Schweinekoteletts aber um 5,7 Punkte gefallen, dann kaufen wir jetzt Koteletts statt Absätze, ist doch logisch, oder? Das gleicht sich aus. So funktioniert die Marktwirtschaft. Süße Sahne 4,3 Prozent rauf, Flugreisen 4,3 Prozent runter? Na, da fliegen wir eben, Sahne macht bloß fett! Man muss rechnen jetzt. Seit durch den Euro alle Zahlen halbiert wurden, gebe ich nicht mehr zehn, sondern nur fünf Prozent Trinkgeld, logisch. Wenn man sich zu helfen weiß, wird alles gut. Ich fühle es.

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