Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Die Bonusmeile ist ja nun in aller Munde, aber haben wir ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung wirklich ganz erkannt? Anfang Mai, also vor dem Absturz von Özdemir Airways und der geradezu maoistischen Selbstkritik Gysis („… dass ich mich entfernt habe von meinen Wählerinnen und Wählern“ – ab in die Produktion dafür, Genosse!), Anfang Mai also war im Economist zu lesen, zur Zeit seien etwa hundert Millionen Menschen auf der Welt an irgendwelchen Meilensammelprogrammen beteiligt. Und sie hätten 8,5 Billionen nicht eingelöste Meilen auf ihren Konten gelagert, einen Gesamtwert von 550 Milliarden Euro repräsentierend: mehr als zwei komplette deutsche Bundeshaushalte. In zwei Jahren, schrieb der Spiegel, dürfte die Bonusmeile den Dollar als Weltleitwährung abgelöst haben.

Man stelle sich vor, all’ diese Menschen würden ihre ersparten Meilen mit einem Schlag einlösen wollen. Riesige Schlangen vor den Flughäfen, Menschentrauben vor den Schaltern, an den Tragflächen hängende Senator-Card-Besitzer, zwei Frequent Traveller auf einem Economy-Class-Sitz. Die Meile müsste abgewertet werden, es gäbe keine Flüge mehr dafür, nicht einmal Pilotensonnenbrillen oder Bordtrolleys aus dem Lufthansa-Skyshop. Nur noch Bahn-Ausflüge nach Cottbus (mit dem Meilzug!) oder eine Familienkarte für die Wuppertaler Schwebebahn. Weltumwallende Wut! Gestürmte Reisebüros! Revolution! Man mag sich das nicht weiter ausmalen. Lieber stellen wir uns vor, alle Bundestagsabgeordneten müssten zukünftig ihre Privat- und Dienstmeilen auf ein Gesamtkonto spenden, aus dem dann jedem Bundesbürger ein Mallorca-Freiflug zustünde. Das wäre gerecht. Damit wären der widerlichen Egoistik der Politiker und ihrer grenzenlosen Flugsucht Grenzen gesetzt, zu unseren Gunsten, bitteschön.

Andere Möglichkeit: Im Economist war auch zu lesen, dass man ja Meilen nicht bloß per Miles-and-More-Abo sammeln könne, sondern auch mit der Kreditkarte, ja sogar durch den Verzehr bestimmter Cornflakes. Zum weltweit reichsten Meilenbesitzer, einem wahren Meilionär, sei ein Mann geworden, der die gesamte Portokasse seiner Firma über die eigene Kreditkarte abgewickelt habe. Auf diese Weise sei er in den Besitz von 25 Millionen Meilen gelangt, genug, um 250 Mal London – Sydney und zurück zu fliegen. Wie wäre es, wir würden den gesamten Bundesetat über Gerhard Schröders American-Express-Karte laufen lassen? Das gäbe Meilen!, genug, um alle Bundestagsabgeordneten jahrelang zwischen Frankfurt und Australien pendeln zu lassen, inklusive Rudi Scharping als Ehrengast. Diese schrecklichen Politiker, die einen immer nur ärgern, wären aus dem Weg. Und wir könnten uns endlich selbst regieren.

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