Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Wir Deutschen haben den Ruf, ein ängstliches Volk zu sein. Das ist ja auch die reine Wahrheit. Wir sind wirklich ängstlich. Selbst in guten, längst vergangenen Zeiten fürchteten wir uns so sehr, dass 27 Prozent aller deutschen Haushalte jeweils mehr als zehn Versicherungspolicen erwarben: Weltrekord, aufgestellt in friedlichen Zeiten von einem friedlichen Volk. Gäbe es Olympische Spiele des Pessimismus, sicher stünden auf dem Siegertreppchen nur Deutsche neben Deutschen, zitternde Sieger, dazwischen ab und an ein Schweizer. Ist nicht die Allianz der größte Versicherungskonzern der Welt? Hätten wir Deutschen, ob Hamburger oder Mannheimer, nicht alle irgendwo einen Herrn Kaiser - wer weiß, ob es uns noch gäbe? Ob wir nicht vor Angst gestorben wären.

Mit der Krone des Versicherungswesens aber, der Lebensversicherung, schickten wir uns an, den Tod zu überwinden. Ausgerüstet mit einer solchen Police kann dem Menschen nichts passieren. Ob er lebt oder stirbt – Geld fließt. Ausgerechnet jetzt jedoch, da sich zeigt, dass wir Furchtsamen Recht hatten, dass all’ unsere Ängste begründet waren, ausgerechnet jetzt lesen wir: Die deutsche Versicherungswirtschaft habe einen „Rettungspool“ gegründet, um angeschlagenen Lebensversicherungsgesellschaften helfen zu können. Einen „Rettungspool“! In diesen Zeiten! Ja, schwimmt denn alles weg!? Ja, geht denn alles unter!?

Man denkt an Noah und seine Arche, auch an Deukalion, den Sohn des Prometheus. In den Griechen-Sagen gibt es ja ebenfalls eine Vernichtungsflut, ausgelöst vom wütenden Zeus, welcher den Südwind schickte, die Menschen zu ersäufen: „Dieser flog mit triefenden Schwingen zur Erde hinab, sein entsetzliches Antlitz bedeckte pechschwarzes Dunkel, sein Bart war schwer vom Gewölk, von seinem weißen Haupthaar rann die Flut, Nebel lagerten auf der Stirn, aus der Brust troff ihm das Wasser. Der Südwind griff an den Himmel, fasste mit der Hand die Wolken und fing an, sie auszupressen…“ Nur Deukalion sowie Pyrrha, seine Frau, überlebten. Warum? Weil sie sich ein Boot gebaut hatten.

Aus Frostberg im US-Staat Maryland kommt die Nachricht, dort arbeite der Pastor Richard Greene mit seiner Gemeinde am Bau einer Arche, einer Vision folgend, die der Herr ihm eingab. Das Schiff werde eines Tages Greenes 200-Seelen-Gemeinde Platz bieten, heißt es, auch einem christlichen Beratungszentrum sowie einem Fernsehstudio. Ein Spinner, dieser Greene, hätte man vor zwei Wochen gedacht. Nun würde es keinen wundern, böte morgen die HUK-Coburg Noah-Fonds an, mit Beteiligungsmöglichkeit an einer Arche. Wann werden erste Deukalionauten-Schiffe gebaut, auf dem Trockenen liegende Hausboote, von Versicherungskunden bewohnt?

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