Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Wenn wir uns bitte kurz vorstellen wollen, der Teddybär wäre nicht eine vom Menschen geschaffene Spiel-Sache, sondern zoologische Tat-Sache, ein in Wäldern lebendes Wesen. Klein, doch zur Gattung der Echten Bären gehörend - ursus teddiensis oder so. Sich von Honig ernährend, aber auch kleine Gottschalk-Figuren aus Weingummi schätzend. Abends unter Bäumen sitzend und kleine Anzüge häkelnd. Natürlich wäre der wild lebende Teddybär ohne Feinde – welches Raubvieh hätte schon Appetit auf Holzwolle und Plüsch? Doch würden nicht Steiff-Häscher die Wälder durchstreifen, auf der Jagd? Oder wäre es umgekehrt: Man stellt Teddys in Fabriken her und wildert sie aus? Wie sollte sich, nebenbei gesagt, sonst der Teddybär vermehren? Nie haben wir in Jahren des Studiums ein Geschlechtsorgan an ihm entdeckt.

Das sind so Fragen. Wer weiß übrigens, ob die Teddybären uns Menschen je so nah gekommen wären, wenn es sie lebend gäbe? Sie sind ja für uns nur von Interesse, weil sie ohne eigene Seele sind – als Projektionsfläche von Sehnsüchten nach… ja, wonach? Nach etwas Weichem, Willenlosem, aber doch Wesensstarkem? Kein Tier ist tiefer als der Bär in der Mythologie des Menschen verwurzelt. Und ungezählt sind die Sagen, in denen Menschen zu Bären werden und Bären zu Menschen, ja, in denen Menschen sich mit Bären paaren. Noch im 16. Jahrhundert hielt man es für möglich, dass eine Schwangere, durch den Anblick eines Bären erschreckt, ein Bärenkind, tja: gebärt. Vielleicht ist deshalb kein Tier so grausam vom Menschen vernichtet worden, so brutal erniedrigt als Tanzbär. Und keines ist ihm so zum intimen Freund geworden wie der Teddybär, welcher in diesem Jahr genau 100 Jahre alt wird.

Es war nämlich im November 1902, dass sich der amerikanische Präsident Theodore „Teddy“ Roosevelt weigerte, auf einen kleinen Bären zu schießen, den man, um die Jagd zu erleichtern, an einen Baum gebunden hatte. Der Zeichner Clifford Berryman hielt die Szene in einem Cartoon für die Washington Post fest, und fortan zeichnete er Roosevelt nie mehr ohne Bären. Kurioserweise entwarf zur gleichen Zeit, im Oktober 1902, Richard Steiff seinen ersten Kuschelbären, 55PB genannt: 55 für die Größe, P für Plüsch, B für beweglich. In Amerika wurde 55PB ein gigantischer Verkaufserfolg, nur nicht unter diesem n, sondern als Teddy – so wie Roosevelt Teddy genannt wurde und wie alle kleinen Bären seither Teddybären heißen, auch wenn sie noch andere Namen haben, Pu oder Paddington oder Mutz oder Kleiner Eisbär oder Sonntag. Und weil das so ist und weil es so schön ist, wollen wir uns jetzt einen Moment zurückziehen, Kinder, und unsere alten Bären umarmen und mal so richtig lieb haben, was?

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