Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Im Grunde müsste es schön sein, einen Doppelgänger zu haben, jemand (nennen wir ihn Müller), der einem sehr ähnlich sieht und einen deshalb vertreten könnte bei widrigen Terminen: Elternabenden oder privaten Dia-Vorträgen. Man riefe also Müller an und spräche: „Ich hätte da wieder was für Sie, das halte ich nicht aus, geh’n Sie?“ Natürlich würde man bezahlen, apropos: Das wäre eine schöne Geschäftsidee, eine Doppelgängeragentur für dich und mich. Nicht so eine Firma, bei der man Egon-Krenz-Doubles für die Party oder eine Queen für die Möbelhaus-Eröffnung mieten kann. Sondern Normalgesichter für Normaltermine. Aber bestünde, andererseits, nicht das Risiko, dass ich abends heimkäme und Müller säße schon am Tisch? Und sagt: „Was woll’n Sie hier, ich heiße Hacke und Sie nicht – gehen Sie!“? Oder Müller stürbe in meiner Rolle bei Elternabend oder Dia-Vortrag am Infarkt… Wohin mit mir?

In der Politik ist Doubelei ja längstens gang und gäbe. Glaubt jemand, Schröder sitzt da selbst im Bundestag, wenn HessenKoch vom Pulte spricht? Oder ödet sich im Kabinett mit Eichels Sparvorträgen? Da fährt er lieber nach Hannover und lässt das seine Kanzler-Doppels machen, mehrere sogar, einer soll gefärbte Haare haben. Ein anderer von ihnen versprach vor Jahren im Suff die Senkung der Arbeitslosenzahlen – na, das gab Ärger, natürlich bloß intern. Öffentlich war nichts zu machen. Dass man übrigens Stoiber im Wahlkampf kaum wiedererkannte nach seinem Auftritt bei Frau, ähm, Christiansen – woran wird das gelegen haben? Er wurde halt ersetzt nach dem Debakel, warum auch nicht? Die Zeit der Mächtigen ist zu schade fürs Talk-Show-Gequatsche. Schröder selbst hat alles beinahe mal verraten, als er sich bei den Grünen „mehr Fischer, weniger Trittin“ wünschte. Das war, als an jeder Ecke ein Trittin-Double stand, Fischers Doppelgänger aber nicht schnell genug mit Abspecken nachgekommen waren. „Mein langer Lauf zu mir selbst“: Damit hatte mancher Doppelkopf natürlich Schwierigkeiten. Bei einem anderen ist die Sache übrigens schief gegangen: Jürgen Möllemann. Er soll vor zwanzig Jahren einen Fallschirmsprung nicht gut überstanden haben. Seitdem teilen sich 18 Doppelmänner seine Rolle, von denen, nebenbei gesagt, nur 7,4 Prozent keine Antisemiten sind.

Diese Woche hörte man vom Homburger Rechtsmediziner Buhmann: Durch Messungen nach einem Spezialverfahren habe er unter vier Saddam-Gesichtern das wahre herausgefunden. In der Zeitung konnte man die vier Saddams nebeneinander sehen. Vermutlich hätte nicht mal Hussein selbst erkannt, wer von den vieren er ist. Man hofft jedoch, es möge der Tag kommen, an dem er erkennen muss, wer er ist. Eine schlimmere Strafe gäb’ es nicht.

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