Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Am seltsamsten fand ich vergangene Woche die Nachricht, Schröder wolle 2006 noch mal… Ach je. Da würde man gern arrogant werden und sagen: Jetzt gehen Sie hier mal aus dem Zimmer, Mann, und tun Sie, wofür wir Sie gewählt haben, und dann wollen wir in vier Jahren mal sehen, wie viele Superminister noch da sind und wie hoch die Neuverschuldung ist und was aus der HartzGeschichte wurde. Und dann können wir mal reden über 2006. Oder auch nicht. Und was hat Fischer gesagt, als Tiefensee nicht nach Berlin kam? „Wenn Deutschland ruft, darf man nie ‘Nein‘ sagen.“ Da hat einem der Tiefensee richtig Leid getan. Wenn er nun mal so gern in Leipzig wohnt… Es gibt doch Manfred Stolpe, der schläft bei offenem Fenster, damit er Deutschland immer rufen hört, und kaum ist er Minister, spricht er von Pflicht und Preußentum und sagt, er sei „der geborene Lastesel“. Wie macht der Lastesel, wenn er Minister werden soll? I-aaaah!

Um ehrlich zu sein: Manchmal wäre man gerne woanders, nicht in Deutschland. An einem Ort, an dem man weder Susan Stahnke kennt noch Wussow und schon gar nicht Dieter Bohlen. Nordkorea wäre so ein Ort, aber Nordkorea ist ein böses Land. Es hat zwei Atombomben: eine für den Fall, dass Dieter Bohlen einreisen will, und die andere als Reserve, falls die erste nicht trifft. Wie wäre es mit den Färöern? Letzte Woche hat man viel von den Färöern gehört. Die Menschen spielen dort so gut Fußball wie wir, das heißt nun nichts, doch immerhin. Aber es gibt keine Kapitalverbrechen, kein McDonald‘s, keine Steuererhöhungen für Schnittblumen, dafür so viele Arten von Nebel, dass jede ihren eigenen Namen hat: skajja oder mjörki oder pollamjörki. Der Focus hatte einen Reporter auf die Färöer geschickt. Er fand heraus, die Inseln seien „sturmgepeitscht“, die Gischt „schneeweiß schäumend“, die Fjorde „kristallklar“. Und die Kirchen, dachte ich beim Lesen, he, wie sind die Kirchen, Mann!? „Malerisch“, genau. Außerdem gibt es Sommernächte, „mild und warm wie eine Mutterbrust“.

Das klingt fast so, als könnte es auch Bohlen dort gefallen. Indes bestehen die Färöer aus 18 Inseln, von denen eine unbewohnt ist. Auf dieser Insel könnte meinetwegen Bohlen leben, unter dem Namen Dietur Böhlund. Er könnte sich aus hunderttausend seiner Bücher eine Hütte bauen, das Dach mit Modern-Talking-Platten decken und mit den Schafen machen, was er will. Ich würde auf der entgegengesetzten Insel des Archipels leben und überlegen, wie der Nebel heißt, der mich umhüllt. Dränge dann ein Singen oder Rufen an mein Ohr, so dächte ich: Ist’s der Sturm, der die Inseln peitscht? Ist’s die Gischt, die schneeweiß schäumt? Hat Böhlund eine Unterleibsverletzung? Oder ruft Deutschland durch die Nebelwände? Wär’ egal, wär’ mir ganz egal.

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