Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Der Dings, der Gerhardt (oder „Gerhard“? Na, jedenfalls: „Wolfgang“): Was macht er im Moment beruflich? Fraktionsvorsitzender der FDP. Im Bundestag. Donnerschlag, wer hätte das gedacht? Weiß das die Fraktion? Seit 1998? Hör’n Sie auf! Kein Scherz? Es ist aber wirklich komisch: Eigentlich weiß man nie, was Gerhardt so treibt. Es ist einem ja auch egal. Doch dann guckt er wieder so verschmitzt aus der Zeitung, und man denkt: Schau an, der Gerhardt, irgendwas muss er noch sein. Aber welches Amt G. auch immer innehat: Man vergisst nicht nur, dass er es hat, man vergisst das Amt gleich mit. Wäre Wolfgang Gerhardt Bundeskanzler, selbst die Minister würden morgens rätseln: „Wie heißt der Typ, der die Kabinettssitzungen leitet?“ Woran liegt das nur? An Gerhardt selbst? Er hat übrigens eine Internetseite, der Gute. Da antwortet er auf die Frage „Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben?“ einfach: „Als gut gelaunter Mensch.“ Ob er selbst weiß, dass er Fraktionsvorsitzender ist? Vielleicht sagt es ihm keiner. Vor ein paar Tagen hat G. aber nun an einer Diskussion teilgenommen. Es ging natürlich um die aktuellen Bösartigkeiten der Bundesregierung, und plötzlich, hey, hatte er was geraucht oder wie?, äußerte Gerhardt eine überraschende Ansicht. Er sagte, laut FAZ: „Die Lahmlegung eines Finanzamtes ist der schönste zivile Protest, den ich mir vorstellen kann.“ Anwesende entwickelten gleich Vorschläge, wie die Ämter sabotiert werden könnten, etwa, indem man „Finanzbeamte durch eine Vielzahl von Telefonaten von der Arbeit“ abhalte, besonders von der Ausstellung der Steuerbescheide. Man fragt sich, was die Finanzbeamten dafür können, dass Gerhardt seine Steuern anscheinend nicht zahlen will. Aber dann fällt einem ein, dass ja die FDP schon oft Akte zivilen Ungehorsams dieser Art unternommen hat. Kämpfte nicht Lambsdorff heldenhaft gegen Finanzämter, indem er Flicks Spenden nicht versteuerte. Er wurde dafür verurteilt, jedoch zeichnete ihn die Partei für seinen Mut mit dem Ehrenvorsitz aus. Auch FDPMinister Friderichs fiel wegen Steuerhinterziehung auf, nicht? Und gelingt es nicht gerade in NRW Liberalen auf unnachahmliche Weise, allerhand Staatsanwälte von der Arbeit abzuhalten, Staatsanwälte, die sonst nutzlos Steuergeld ausgäben. Nein, Gerhardt wird man sich endlich merken müssen: ab 1970 zuerst im hessischen Innenministerium beschäftigt, dann Landtagsabgeordneter, Minister, Bundestagsmitglied, auch Vorsitzender der FDP. Was für ein Leben! Das Geld, das er seit mehr als 30 Jahren bezieht, wurde von Finanzbeamten eingetrieben. Ausgerechnet er will nun Finanzämter lahm legen. Welche Selbstlosigkeit! Welche Verzichtsbereitschaft! Es treibt einem Tränen in die Augen. Und immer gute Laune, der Typ. Wie heißt er noch mal?

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