Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Täuscht das, oder haben sich 2002 Wissenschaft und Kulturkritik gründlicher als sonst des Lachens angenommen? Zuerst las man, Wissenschaftler der Universität Hertfordshire hätten den witzigsten Witz der Welt gefunden. (Es ist der von den zwei Jägern, deren einer im Wald tot umfällt. Der andere betätigt sofort den Notruf des Handys. „Mein Freund ist tot! Was soll ich tun?“, ruft er in Panik. „Ganz ruhig!“, ist die Antwort. „Gehen Sie zunächst sicher, dass er wirklich tot ist.“ Stille. Ein Schuss. Wieder der Jäger am Handy: „Gut. Und was soll ich jetzt tun?“) Dann erschien ein Heft der Zeitschrift „Merkur“ zum Thema Lachen. Zum Schluss widmete „Bild der Wissenschaft“ eine Titelgeschichte den Lachforschern, die sich in vielen über die Welt verteilten Labors unter dem Vorwand, Wissenschaft zu betreiben, sehr spaßige Tage machen.

Zum Beispiel kam die Kitzelforscherin Christine Harris vor. Sie bastelte aus einer Handprothese, einem Staubsaugerschlauch und einem Generator eine Kitzelmaschine. Dann verband sie Testpersonen die Augen und versuchte herauszufinden, ob sie genauso lachen mussten, wenn sie glaubten, a) von Menschen oder b) von einer Kitzelmaschine gekitzelt zu werden. (In Wahrheit wurden sie immer von einer Laborantin gekitzelt; die Maschine war eine Attrappe.) Die Antwort: Ja, sie lachten gleich. Die Frage, ob sie nicht über Frau Harris lachten, zog Frau Harris nicht in Betracht.

Natürlich kann es in einer Wissensgesellschaft nicht ausbleiben, dass auch das Lachen „bis in die Keuchsequenzen, Phonstärken, neuronalen Entwicklungsdaten und Taktfrequenzen hinein erforscht und vermessen wird“, wie Eckhard Henscheid vor Jahren schrieb. Aber diese Häufung ist doch happig. Sie nährt den Verdacht, dass es mit dem Lachen nach einem solchen Gipfelpunkt zu Ende gehen wird. Das liegt ja nahe, wenn man den verfluchten Mist bedenkt, den wir vor uns haben: Krieg, Streik, Versicherungskollaps, KochSieg in Hessen… Neulich las ich in der „Weltwoche“ ein „optimistisches Zukunftsmanifest zum Jahreswechsel in zehn Punkten“ – da hätte ich am liebsten aus Trotz eine Kommission für ein pessimistisches Manifest in zehn Punkten einberufen. Aber ich glaube, sie wäre über den Punkt eins nie hinausgekommen: „Nützt doch alles nischt.“

Lachen? Kürzlich sah ich H. Schmidt bei „Beckmann“, wie er von „Darmgesundheit“ redete und sagte, er mache Mayr-Diät, esse trockene Semmeln, saufe Melissentee und gehe um halb zehn schlafen. Ist das die Lösung?, dachte ich. Dann fiel mir ein, dass die Schmidt-Show erst nach 23 Uhr beginnt. Wenn wir also alle nach der Mayr-Diät leben würden, könnte Schmidt seine Sendung einstellen, und es wäre vorbei mit dem Lachen. Dafür hätten wir alle gesunde Därme.

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