Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

In Zeiten wie diesen, in denen Eugen Drewermann Waffeninspektionen in den Vereinigten Staaten fordert und Peter Handke für die Entwaffnung der USA eintritt (als Strafe dafür, dass die Amerikaner seinem Freund Milosevic lästig waren, und als Vorbeugung, damit es nicht am Ende eine Invasion in der Niemandsbucht gibt), in solchen Zeiten ist es eine interessante Nachricht, dass der Frankfurter Kämmerer die UBahn-Tunnel seiner Stadt an einen US-Konzern vermieten will. Nur die Tunnel, wohlgemerkt, nicht die ganze U-Bahn. Und er mietet sie auch sofort zurück. Warum er sie nicht gleich behält? Weil er dann kein Geld von dem Konzern bekäme. Es ist nämlich so: Wenn Frankfurt die U-Bahn-Tunnel an den Konzern verpachtet, bekommt der Konzern in den USA irgendwelche Steuererleichterungen. Das Geld teilt er mit dem Frankfurter Kämmerer.

Und damit die Frankfurter weiter U-Bahn fahren können, mietet die Stadt die Tunnel zurück. Für 99 Jahre. Warum dauert so was immer 99 Jahre? Man fühlt sich an Nena erinnert: „Hast du etwas Zeit für mich? / Dann singe ich ein Lied für dich / Von 99 Luftballons.…“ Man nennt das: Globalisierung. Fachleute sagen: „Cross Border Leasing“, das klingt nun wie: Borderline Economy. Luftballon-Wirtschaft.

Irgendwie erinnert es auch an Kettenbriefe und jene Schlaumeier, die einem was von einer „todsicheren Sache“ ins Ohr flüstern, „wenn das klappt, hey…“ Ich stelle mir vor, ein US-Konzern böte an, den Keller meines Hauses für 99 Jahre zu mieten. Ich müsste ihn dann für 99 Jahre zurück mieten und bräuchte nie mehr zu arbeiten, denn wir machten halbe-halbe mit dem Steuergewinn. 99 Jahre lang nicht arbeiten! (Na, vermutlich würde ich nur zehn Prozent kriegen, wie ich die US-Konzerne kenne.) Aber was wäre, wenn der US-Konzern pleite geht und der Besitz an meinem Keller als Sicherheit für einen Kredit an eine japanische Bank geht? Und plötzlich stehen drei Japaner vor meiner Tür, verbeugen sich und sagen, ihnen gehöre übrigens mein Keller, und sie würden gerne rohen Fisch darin lagern…

Wir Deutschen haben ja unsere Erfahrungen, wir hatten Ostdeutschland eine Weile an Russland vermietet, und in welchem Zustand haben wir’s zurückbekommen? Es gab damals Leute, die Lafontaine-Richtung, die sagten: Gorbatschow, wir hatten 99 Jahre ausgemacht, was sollen wir jetzt schon mit der ganzen Gegend, außerdem müssten wenigstens die Wände gestrichen werden, steht im Vertrag. Da fällt mir ein: Wenn Frankfurt U-Bahn-Tunnel vermieten kann, könnten wir ganz Frankfurt an einen US-Konzern verpachten und mit dem Geld den Bundes-Etat sanieren. Ich würd’s nicht mal zurückmieten, unter uns gesagt, da spart man noch mal was. Wozu brauchen wir Frankfurt, die nächsten 99 Jahre?

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