Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Im „Stern" ist zu lesen, in der Familie Clement verwalte Frau Karin die Finanzen, seit vor Jahrzehnten Ehemann „Wölfchen“ ein letztes Mal zur Sparkasse gegangen sei, zu einem Zeitpunkt, als das Konto tief in den Miesen stand. Dieser Zustand sei Wolfgang Clement derart unangenehm gewesen, dass er gesagt habe: „Da gehe ich nie wieder hin!“ Gott sei Dank ist Clement nun nicht Finanzminister, sonst würde er – beim derzeitigen Schuldenstand des Bundes – sich auf Dauer im Kleiderschrank seines Büros einschließen, so peinlich ist alles. Hans Eichel ist robuster, obwohl auch er Tag und Nacht nur an Schuldenabbau denkt. Sind wir nicht übrigens alle sehr froh, dass es diese Kontoauszugsautomaten gibt, an denen man seine privaten roten Zahlen einfach ausdrucken lassen kann – ohne das süffisante Lächeln eines Bankangestellten? Ja, das sind wir. Alle sind wir so. Es macht uns erröten, zu wenig Geld zu haben. Es ist uns unangenehm, der Bank was zu schulden.

Die einzigen, die solches Gefühl der Peinlichkeit nicht zu kennen scheinen, sind die Bankchefs selbst. Das trennt uns irgendwie von ihnen. Als die Bankenbosse sich beim Kanzler einfanden, weil das Kreditwesen ein bisschen wackelig geworden ist, soll tatsächlich der Gedanke ventiliert worden sein, eine „bad bank“ zu gründen. Eine „bad bank"? Das ist, wenn ich’s richtig verstanden habe, eine Bank, die gefährdete Kredite von insolventen Kunden übernimmt und mit Hilfe staatlicher Bürgschaften bezahlt. Staatliche Bürgschaften? Meinen sie unser Geld? Wir bezahlen die „bad bank“, damit private Banken „good" bleiben? Darauf muss man kommen. Das muss man sich trauen. Woher die Leute nur ihr ewig sattes Selbstbewusstsein nehmen? Man denkt an PeanutsKopper, früher Deutsche Bank, der sich als Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler jetzt eine 120-prozentige Erhöhung der Bezüge genehmigte, nachdem das Unternehmen seit 1998 70 Prozent an Wert verlor. Man denkt an Rolf Breuer, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, der zu Schadenersatz an Kirch verurteilt wurde. Man denkt an Vorstandschef Ackermann, gegen den im Zusammenhang mit den Abfindungen bei Mannesmann Anklage erhoben wurde. Unsereinem wär’s peinlich.

In der „Süddeutschen" stand, vor wenigen Jahren hätten sich viele Banken vom Geschäft mit Privatkunden am liebsten verabschiedet: nix zu verdienen, alles pofelig, der kleinteilige Kram, das banale Filialgeschäft und immer diese Leute. Internationales Investment, hey! Aktien! Provisionen! Nun hätten die Banken die gewöhnlichen Kunden entdeckt. „Die Großbanken wollen mit Otto-Normal-Verbraucher wieder Geld verdienen", sagte ein führender deutscher Bankberater. Was für eine faszinierende Idee! Kann es sein, dass sie uns meinen?

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