Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Kürzlich schenkte mir jemand ein Buch mit GaryLarson-Zeichnungen, Band 4 von „The Fare Side Gallery“, um genau zu sein. Auf Seite 24 sah man zwei Madenhackervögel auf einem Nashorn stehen, Vatermadenhacker und Sohnmadenhacker. Vatermadenhacker wies über den weiten Rhinozerosrücken und sagte: „Eines Tages, Sohn, wird alles dir gehören.“ Ich dachte: Wie weise die Größenverhältnisse in der Natur geordnet sind! Dass etwa die Madenhacker viel kleiner als die Nashörner sind… Man stelle sich vor, es wäre umgekehrt, Nashörner wären mäuseklein, Madenhacker storchengroß. Wie mühsam wäre ihr Leben! Wie viele Nashornrücken benötigte ein Madenhacker fürs täglich Madenbrot! Schrecklich. Oder – anderes Beispiel – die Hühner wären groß wie wir. In welchen Töpfen sollten wir Eier kochen? In welchen Pfannen sie braten? Zu schweigen von den Füchsen, die sich unlösbaren Aufgaben gegenübersähen.

Dann aber las ich, Philip Gingerich von der University of Michigan habe entdeckt, vor 55 Millionen Jahren seien auf Grund einer Klimaerwärmung (und damit verbundenen Änderungen im Nährstoffgehalt der Pflanzen) die Pferde geschrumpft. Gott, so entstanden halt die Ponys, denkt man. Aber nein: Die Pferde waren vor der Schrumpfung nur groß wie Hunde, danach erreichten sie Katzenformat. Katzengroße Pferde! Als Gulliver im Land Lilliput ankam, fesselte man ihn, zog seinen Leib mit Hilfe von Flaschenzügen auf ein spezielles Gefährt und spannte 1500 Pferde davor, jedes nur elf Zentimeter groß. 1500 süße Hengste, Stuten, Wallache mit trippelnden Hufen! Ach… Sagen Sie, Professor Gingerich, das war eine Folge der Klimaerwärmung? Vielleicht sind die Dinosaurier ja nicht ausgestorben, sondern geschrumpft. Und es leben noch welche, so winzig, dass man sie nicht sieht.

Jedenfalls: Die Pferde wuchsen wieder, als es kühler wurde. Man stelle sich aber vor, sie wären immer noch lilliputklein. Jeder könnte eine Pferdeherde in der Wohnung halten, im Flur hin und her galoppierende Tiere. Das wäre was anderes als ewig kuschelnde Meerschweine oder schlecht gelaunte Hamster in Rädern. Vielleicht waren damals auch Kühe von einem Format, das es heute erlauben würde, auf dem Frühstückstisch eine von ihnen zu halten, die gerade genug Milch für den Morgenkaffee gäbe. Man ginge morgens ins Büro mit einem Kamel an der Leine, welches die Aktentasche trüge. Im Aquarium sprängen kleine Delphine aus dem Wasser und wieder hinein. Im Terrarium kröchen nicht irgendwelche sterbenslangweiligen Nattern umher, sondern supersüße Giraffen ließen den Sand unter ihren Hufen stauben. Oder es lebte dort ein Löwe, nicht länger als ein kleiner Finger. Oh, manchmal kann ich die Klimakatastrophe kaum erwarten…

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