Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Der OrangUtan, sagt man unter Tierkundlern, stehe uns von allen Menschenaffen am fernsten. Nichtsdestotrotz berichtete 1630 der holländische Arzt Bontius nach einem Besuche Javas, die Eingeborenen glaubten, „die Tiere könnten sprechen, täten dies aber nicht, um nicht zur Arbeit gezwungen zu werden“. Lieber gäben sie sich dem Hangeln, Schwingen und Klettern in Urwaldbäumen hin. Was übrigens das Paarungsverhalten der O.-U. angeht, so wird berichtet, der Mann leite das Vorspiel mit leise vibrierendem Brummen ein, welches sich zu tiefem Brüllen steigere, um wieder im Brummton auszuklingen. Erst danach rücke er dem Orangweibe näher. Man beginne ein ausgelassenes Spiel, begleitet von lautem Utan-Utan-Grunzen. Die Paarung selbst vollziehe sich stumm und werde am liebsten in hängender Körperhaltung vollzogen. Inwieweit dies menschlichem Verhalten ähnelt, möge jeder für sich selbst entscheiden.

In der aktuellen „Zeit“ findet sich nun ein hoch interessantes Interview mit dem Dortmunder Zoodirektor Brandstätter, welcher von Erfolgen bei der Vorführung von Pornovideos in Orang-Utan-Käfigen berichtet. Es gebe nämlich bei eingesperrten Tieren eine gewisse Ratlosigkeit im Umgang mit den Geschlechtsorganen. Zum Beispiel wüssten junge Männer oft nicht, „was sie mit ihrem Penis anfangen sollen…. Sie probieren dann Verschiedenes aus, sitzen etwa auf dem Kopf des Weibchens oder sonst was“. Im Zoo schafft man Hilfe mit Videos. Imitieren die Affen nicht grimassierende Menschen? So geht das auch bei Filmen. Die „Zeit" fragt, warum man nicht Affenpornos verwende. Direktor Brandstätter entgegnet, es sei „sehr schwer, solche Filme zu kriegen“. Da hat sich der Markt noch nicht entwickelt.

Man staunt, wie wenig Affen wissen. Sollte nicht eine Kopulation der Willigen auch ohne Ausbildung möglich sein, instinktiv? Andererseits: Wir kennen das aus der eigenen Jugend. Wie oft saßen wir ratlos auf den Häuptern unserer Geliebten herum, bis uns jemand eine „Bravo“ reichte! Man muss doch lernen, und im Zoo gibt es nicht so viele Orang-Erwachsene wie im Urwald, wo man sich öffentlich an Bäumen hängend brummend, brüllend und dann stumm unglaublichsten Ausschweifungen hingibt. In Kafkas „Bericht für eine Akademie“ erzählt der Affe Rotpeter, wie er durch Imitation „die Durchschnittsbildung eines Europäers“ erreichte. Wenn man in die Affen-Käfige auch Spielfilme übertrüge und Nachrichten – was wäre möglich? Nee, lieber nicht, Orangs sind doch friedlich. Kein Affe sollte so tief sinken, dass er sich ganz zum Menschen macht. In Dortmund gab es eine alte Orang-Dame, die war so einsam, dass man ihr einen Fernsehapparat schenkte. Sie sah am liebsten MTV. Von Nachahmung war keine Rede, nur von glücklichem Verdämmern.

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