Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Lange her, dass alle Menschen eine Sprache sprachen: Bevor sie in Babylon einen viel zu hohen Turm bauten, war das. Der HERR besah sich diesen Turm, aber er gefiel ihm über-haupt nicht. Er wurde wütend und rief: „Wohlan, lasst uns hinabfahren und daselbst ihre Sprache verwirren, dass keiner mehr des anderen Sprache verstehe.“ So geschah es, 120 Kilometer südlich des heutigen Bagdad. Seitdem sprechen die Menschen dies und jenes, Arabisch und Hebräisch, Chinesisch und Deutsch sowie verschiedene Sorten Englisch. Mancher spricht zwei, drei Sprachen, Peter Ustinov sogar mehr. Andere können nur Englisch, viele amerikanische Soldaten zum Beispiel, oder nur Arabisch, die irakischen Bauern etwa. Der Lauf der Geschichte will es aber, dass sich US-Soldaten und irakische Bauern dieser Tage immer wieder begegnen, in Babylon und um Babylon herum.

Die Soldaten haben für diesen Fall ein schwarzes Gerät, dass sie „Phrasealator“ nennen, einen Klein-Computer. Man kann darin einen englischen Satz anklicken, worauf der Apparat diesen Satz auf arabisch „kreischt“, wie der „Guardian“ berichtet. Von einer Möglichkeit, arabische Sätze in englisches Kreischen zu übertragen, ist nichts bekannt, so weit ist die Technik nicht. Wird sie je so weit sein? In Douglas Adams’ „Per Anhalter durch die Galaxis“ liest man von einem seltsamen Tier, einem Babelfisch, „klein, gelb und blutegelartig“. Der Babelfisch lebt in den Gehörgängen anderer Wesen, ernährt sich von Gehirnströmen und übersetzt dabei, en passant, alle Sprachen des Weltalls. Das kann der Phrasealator nicht. Ohnehin, schreibt der „Guardian“, besitze er keinerlei soziale Fähigkeiten, er könne nur Befehle bellen und nicht zuhören, ein maschinengewordener Rumsfeld. Ist nicht überhaupt der Apparat ein Symbol für das Verhältnis Amerikas zur Welt? Man fragt sich, ob seine Arbeit von einer Qualität ist wie jene der Übersetzungsmaschinen im Internet. Dort gibt es den Translationsautomaten „Babelfish“ bei Altavista. Gibt man den Satz ein „Hello, my name is Bill, can you tell me the way to the next Burger King“, übersetzt der Computer: „Hello, bin ich Rechnung, kann Sie mir die Weise zum folgenden Burger-König erklären?“ Das könnte Adams’ Babelfisch besser – aber was wäre gewonnen, verstünden wir uns genau? Dadurch, dass dies’ Tier alle Verständigungsbarrieren niederriss, schrieb Adams, „habe es mehr und blutigere Kriege auf dem Gewissen als sonst jemand in der ganzen Geschichte der Schöpfung“. Wie heißt es im Buch Mose: „Da reute es den Herrn, dass er den Menschen geschaffen hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn tief.“ Altavista übersetzt: „There did it reute the gentleman that it had created humans on ground connection, and it bekuemmerte it deeply.“

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