Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Auch der Getränkemarkt ist ja immer in Bewegung, überall dürsten Getränkemanager nach Lösungen großer Probleme, was wollen die Menschen morgen trinken?, was könnte ihnen gut tun?, wofür würden sie uns Geld geben?, uns, den Getränkemännern. Neulich kaufte ich in Österreich ein WellnessGetränk aus Rübenzucker, Rotklee, Ginkgo, Hibiskus und was man sonst säuft heutzutage, auch Rosenöl war drin und Wasser natürlich… Auf der Flasche stand „Frivolisiert“. Da kommt man ins Grübeln, ist gleichsam grüblisiert: Ist das Getränk selbst durch geheime Zusätze frivolisiert, oder frivolisiert es den Trinkenden, macht ihn leichtfertig, frech? Das ist ungeklärt, ich fühlte mich nach Genuss nicht anders als zuvor, außer, dass ich keinen Durst hatte.

Später las ich in einer Zeitung von Verschiebungen auf dem Getränkemarkt: Mineralwasser sei derzeit das Getränk der fashionablesten Personen. Bereits gebe es: eine Wasserbar im Kaufhaus Colette, Paris (mit 90 Marken); einen hauptberuflichen Wasser-Sommelier im Ritz-Carlton, New York; nun auch ein Wassercafé in München, mit vorerst 43 vorrätigen Sorten. Erste Restaurants hätten eigene Wasserkarten. Zweifellos ein Trend. Man setzt sich nicht mehr ins Restaurant und sagt: „Bringen Sie schon mal ’n Wasser!“ – „Groß?“ – „Klar“. Sondern man fragt sich, welches Wasser zu welchem Wein passen könnte, wissend, dass zum Beispiel „Vichy Célestins“ aus jedem Rotwein eine schäumende schwarze Brühe macht, es sind einfach zu viele Mineralien drin, im Wasser, meine ich. Man hat als Plauderer von Welt ein Wasser-Anekdötchen parat, der Art, dass der portugiesische König schon im 15. Jahrhundert gern an die Algarve reiste, um mit den dortigen natriumhaltigen Mineralwässern seinen „melancolico“ zu kurieren. Wussten Sie, dass kein Italiener ohne eine Flasche Sangemini ins Krankenhaus geht – es ist so leicht und bekömmlich, hat viel Bikarbonat. Jedenfalls, man weiß: Evian, Vittel und Volvic sind gut für Babys, Fiuggi und Contrex fördern die Harnausscheidung, Ramlösa hat viel Natrium, aber nur untermineralisiertes Chlorid, insgesamt also gar nicht viel Kochsalz. So sieht’s aus.

Zweifellos werden sich die Deutschen nun mit Gründlichkeit in die Sache einarbeiten. Zweifellos wird bald an den Tischen über die Flüchtigkeit der Kohlensäure bei Perrier, den breiten, metallischen Abgang von Margonwasser medium, die bläulichen Reflexe und die Natriumfreiheit von Arkina zu sprechen sein. Zweifellos ist das Leben wieder komplizierter geworden. Zweifellos sind die Getränkemanager die ideenreichsten Menschen der Welt (zweiter Platz: die Schokoriegel-Spezialisten). Zweifellos verdienen sie unsere Bewunderung. Zweifellos hätte ich jetzt gern ein Bier. Frivol? Egal.

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