Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Der Kölner Kämmerer Soénius hat dieser Tage mitgeteilt, er plane die Einführung einer Steuer auf kommerziellen Sex, um irgendwie an ein bisschen Geld für seine Stadt zu kommen. Es sei, sagte Soénius, nämlich ganz und gar ungerecht, dass man zum Beispiel fürs Automatenspiel Vergnügungssteuer abführen müsse, für einen Bordellbesuch aber nicht. Wie sich nun die Finanzlage dieses Landes entwickelt, ist das nur der Anfang einer ganz neuen Steuerkampagne, in deren weiterem Fortschritt man sich fragen wird, wieso eigentlich bloß professioneller Sex der Steuerpflicht unterliege, nicht auch Privatkopulationen. Sollte nicht überhaupt der Bürger für alles zahlen, was ihm Freude bereitet, auch für ein Sonnenbad, einen Spaziergang? Und wenn man das einmal richtig durchdacht hat: Ist es gerecht, dass nur jene Steuern abführen, die sich vergnügen? Müsste nicht auch der zahlen, der sich ärgert? Müssten wir nicht an eine Steuer auf Wutausbrüche denken? Eine Missvergnügenssteuer?

Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Klaus Zwickel von der IG Metall hat gerade darauf hingewiesen, „dass die Hundesteuern in den Kommunen oft schon mehr Einnahmen bringen als die Körperschaftssteuern der Unternehmen“. Wer glaubt noch, dass sich das je wieder ändern wird? Die deutsche Wirtschaft mit ihren Körperschaften ist doch am Ende. Das wird nichts mehr. Wer aber weiterhin sein Haupt mutig erhebt, tatendurstig durch unsere Straßen schnobert, kraftvoll durch die Grünanlagen hetzt, mächtig seine Stimme bellend erhebt – das ist eben der wackere, steuerzahlende deutsche Hund, die Säule unseres kommunalen Gemeinwesens. Millionen und Abermillionen von Euro fließen aus den Taschen deutscher Hundefreunde in die Kassen der Städte und Kreise. Manche Schule hätte schließen müssen, wären da nicht all die Harros und Fifis, Bellos und Bauschans.

Dies ist nun die Stunde, in der sich jene, die noch keinen Hund ihren Freund nennen, fragen lassen und selbst fragen müssen, ob es nicht an der Zeit wäre, einen Steuerzahler als Hausgenossen anzunehmen. Nur jeder 17. Deutsche hat einen Hund! Schüfe sich jeder von uns auch nur einen Pudel oder Pinscher an, würde sich das Hundesteueraufkommen versiebzehnfachen! Und wären wir erst so weit, wie laut würde die Frage durchs Land schallen, warum eigentlich die Besitzer von Katzen, Goldfischen und Schildkröten, von Sittichen und Hamstern sich Pflichten entzögen, die von anderen so willig geleistet würden. Dann noch ab und zu ein Bordellbesuch, und, wuff!, zumindest die Gemeindefinanzen wären wohl gesichert. Ja, es ist wahr, dieses Land ist auf den Hund gekommen. Aber noch nicht genug, Leute, noch nicht genug.

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