Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Nachdem nun die schier endlosen Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Erstbesteigung des Everest vorüber sind, wird man darauf hinweisen dürfen, dass die Berge der bei weitem überflüssigste Teil der Schöpfung sind. Dass es die Meere gibt, sieht jeder ein – wo sonst sollten die Schiffe fahren, angefangen mit Noahs Arche? Wo anders könnte man sich in den Ferien badend erfrischen? Und wo würden unsere geliebten, von den schrecklichen Japanern verfolgten Wale leben? Auch das Land muss es geben, andernfalls wir auf Schiffen wohnen müssten, Milliarden Menschen auf Schiffen, bitte, das ist nicht zu denken. Und der Himmel? Unverzichtbar. Über uns muss irgendwas sein, da kann nicht das Nichts sein, man muss irgendwohin blicken, wenn man hochguckt. Also ist da eben der Himmel.

Aber die Berge? Die Berge sind der reine Quatsch. Auf ihnen kann man nicht wohnen, die Luft ist zu dünn, das Blut wird dick, es ist zu kalt, nichts wächst. Was könnte die Tour de France für eine tolle Radrundfahrt sein ohne diese quälenden Bergetappen! Man baut doch in Schwimmrennen auch keine Wasserfälle ein! Schön, auf mittelhohen Bergen kann man Ski fahren, aber was nützt das dem Berliner? Die mittelhohen Berge sind weit, und dann schneit es gerade nicht, wenn man kommt, oder zu viel, alles Blödsinn. Nicht nur, dass die Berge unnötig sind, sie sind auch ungerecht verteilt. Warum haben die Österreicher viele, und in Brandenburg sind überhaupt keine? Nicht mal Täler, nur Ebenen und die Mühen darin. Und in Asien steht der ganze Himalaja mit dem Everest, von dem man nicht mal genau weiß, wie hoch er eigentlich ist, 8848 oder 8850 Meter. Genau genommen, ist ja der Mauna Kea auf Hawaii der höchste Berg, 9700 Meter hoch, aber vom Meeresboden aus gemessen, nicht vom Meeresspiegel. Den sollte der Messner mal besteigen, am Fuß beginnend, ohne Sauerstoff!

Aber warum sollte er? Wir haben jetzt wochenlang jeden Tag vier Fernsehdokumentationen, zwanzig Zeitungsartikel und acht Talkshows über den Everest zur Kenntnis genommen, wir wissen alles über das Lager VII unterhalb der Lhotsewand, den „Hillary Step“ am Südgipfel und über die verschiedenen Ehen von Sherpa Tensing. Wir wissen auch, warum Menschen den Berg zu besteigen versuchten: „weil er da ist“, wie G.L. Mallory sagte, der es 1924 versuchte und starb. Aber warum ist er da? Bitte kein Wort von Camus! Dass einer glücklich sein soll, der lebenslang immer neu einen Stein den Berg hinaufwälzt, das ist wirklich ein sehr verzweifelter Versuch, Bergen einen Sinn zu geben. Um ehrlich zu sein: Es wäre schön, wenn man jetzt 50 Jahre lang nichts hörte von den Bergen, wenigstens vom Everest nicht. Und wenn er noch so ruft – von hier aus ein herzliches: Schnauze, Berg!

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