Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Die Hitze, diese kaum nachlassende, nur ab und zu von niederbrechenden, Mensch, Tier, Pflanze zerschmetternden, immer und immer aus Frankreich und wieder aus Frankreich heranziehenden Gewittern unterbrochene, ungekannte Hitze – was wird sie aus uns machen? Wenn das nicht aufhört. Wenn das nicht nachlässt. Wenn das schlimmer wird. (Wir haben nicht mal August.) Die Versteppung Brandenburgs, die brütenden Landschaften – das sind ja keine Vermutungen mehr, sondern längst hingenommene Tatsachen. Jetzt aber hört man, der Rheinpegel sinke, die Befahrung des Flusses mit Schiffen sei eingeschränkt und werde bald unmöglich, ja das dritte, erst kürzlich eingeführte, duschenförmige f im Wort „Schifffahrt“ müsse wegen Wassermangels wieder abgeschafft werden. Man bedenke, wie lange wir daran gearbeitet haben, unsere Flüsse wieder in Badereviere zu verwandeln. Nun lösen sie sich auf, man evakuiert die Fische – wohin? „Die trockene und heiße Wetterlage“, hat Oberkommissar Strack von der Koblenzer Wasserschutzpolizei gesagt, „frisst das Rheinwasser förmlich auf.“ Wasserfressendes Wetter…

Es ist kein Spaß mehr. In München geht das Bier zur Neige, die Brauereien kommen nicht nach, und mitten auf dem Viktualienmarkt verdunstete einem Mann die Maß vor seinen Augen, weil er nicht schnell genug trank. Überall üben die Menschen deshalb „den Clement“, das Zurückklappen des Zäpfchens beim Trinken man kann dann, wie der Minister, ein Kölsch in 1,5 Sekunden saufen. Kennen Sie Flann O‘Briens „Durst“? Darin erzählt ein Mr. C. (im Hörbuch mit Harry Rowohlts Stimme) vom Soldatendienst in Afrika, von der Hitze dort, einer augenbrauenabflammenden Hitze, bei der einem die Zunge wie ein glühendes Stück Schlacke im Mund stecke und die Augäpfel im Kopf verschmorten: „Die Haut fiel uns in Flocken und Spänen vom Gesicht. Unsere Leiber vertrockneten und verdorrten wie – Backpflaumen! Und das Allerschlimmste: Aus dem Halse kam uns ein heißer, trockener Durst, wie die Stichflamme aus einem Hochofen.“

Das bayerische Kabinett hat erstmals auf der Zugspitze getagt, weil München unerträglich ist. Doch zum Beispiel das Matterhorn bröckelt, weil das ewige Eis schmilzt – und wohin soll Wowereit mit den Seinen? Hitze kann Menschen verändern, Hans Eichel erkennt man nicht wieder, er macht Schulden, er! Etwas Südländisches, das kein Morgen kennt, scheint in ihm erwacht zu sein. Was soll aus uns werden in schwer atmenden Städten, in denen die Walrösser sterben, in denen man bis zu den Knöcheln im schmelzenden Asphalt steht, wo in schneidender Mittagsglut nichts zu hören ist als das Ventilatoren-Rauschen und das leise Flip-Flop junger Frauen? Was soll werden?

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