Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Das ist immer eine schöne Zeit, wenn die Bundesliga naht. Man kauft das Sonderheft vom „Kicker“, löst die Stecktabelle aus der Mitte, studiert Interviews mit Überschriften, die nach vorne weisen: „Ich erwarte, dass Luizao diese Saison mehr bringt.“ Oder: „Kuranyi und Lauth werden losschlagen.“ Man liest in „Bild“ den jährlichen Bundesliga Test und weiß: Auf irgendeinem Sofa dieses Landes liegt immer noch – vielleicht längst mumifiziert – Max Merkel, bei dem die Tore „Buden“ heißen. Und der, zum Beispiel, über Bremens Torhüter schreibt: „Torwart ist sein Zweitberuf. Sonst ist er Flugschüler.“ Man sieht auf Fotos, sich warm trabend, kleine Kicker-Herden. Dann wird der erste Südamerikaner mit einer Geldstrafe belegt, weil er zu spät ins Vorbereitungslager kam. Dann tauchen Fragen auf, die lauten: Wer wird der Trainer sein, den man zuerst entlässt? Ob D‘Allessandro in Wolfsburg einschlägt? Dann geht die Tour de France zu Ende - und du weißt: Nun kann es nicht mehr lange dauern. Nun ist die Fußball-Bundesliga schon ganz nah.

So geht das jetzt seit 40 Jahren, und bitte: Nie soll es anders sein! Immer soll das bleiben: dieser Frühling im Sommer, dieses Schnuppern an der kommenden Saison. Was ändert sich schon wirklich, im Fußball? Über Deisler, den ewig Verletzten, las man jetzt, er habe seine Freundin in einer Buchhandlung kennen gelernt. Das hätte es früher nicht gegeben: Fußballer in einer Buchhandlung! Man fragt sich: Was hat sich mehr verändert, Kicker oder Buchhandlungen, seit Effenberg und Bohlen? Na, das sind Kleinigkeiten. Die größte Freude ist immer die Lektüre der Namenslisten jener, die bald um Punkte kämpfen. Es ist die reine Poesie. Man findet in der ersten und zweiten Liga Kerle wie Anfang und Endler, Scharping und Schröder, Nulle und Nicht, Ernst und Scherz, ja, es werden auch spielen Dédé und Lala sowie, in Unterhaching, einer mit Namen Darlington Omodiagbe. Der spielte schon für Piotrcovia Piotrkow, SSR Rzgow, LKS Lodz und Iwuanyanwu Owerri, dazwischen aber auch in Duisburg, Hannover und Gütersloh.

Wer fehlt, ist Tattermusch. Der spielte für die Stuttgarter Kickers, lange her, dann in Wilhelmshaven, nun soll er in Meppen Wirtschaftsberater sein. So spielt das Leben und der Fußball auch. Vor Jahren war es möglich, aus Männern beider Ligen diese Elf aufzustellen: Vollborn, Ballwanz, Breitkreutz, Dickhaut, Eigenrauch, Gansauge, Hutwelker, Langerbein, Wüllbier, Feinbier und Kleeschätzky. Von denen fehlt jetzt mancher, dafür sind Knackmuß, Heerwagen, Schweinsteiger da, gut. Mäkelmann hat Lübeck verlassen, es wird die Schiedsrichter freuen. Was Radioreporter nicht mögen: Tskitishvili, Krzynowek, Hujdurovic, Ogungbure, Grlic, Mbwando, Younga-Mouhani, El-Akchaoui, Ouedraogo. Ach, ich freue mich auf alle!

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