Politik : Und was mache ich jetzt?

-

Von Axel Hacke

Erstaunlich eigentlich, wie reibungslos die Weltbuchstabenwirtschaft in vergangenen Jahrzehnten lief, verglichen mit den immer wieder aufflammenden Streitereien um andere Ressourcen wie Öl oder Wasser. Der Buchstabenhandel war frei, die globalen Buchstabenvorräte schienen unerschöpflich. Erst kürzlich sahen wir im Fernsehen einen interessanten Beitrag über die Unterschiedlichkeit der Buchstabengewinnung auf der Welt: Während türkische Bergleute die in ihrem Land so dringend benötigten Üs in harter Schufterei aus tausend Meter tiefem Gestein in den mitteltürkischen Bergwerken um Sülüklü, Mülk und Gündüzler schlagen müssen, wächst das butterweiche fränkische LoddaMaddäus-D auf Plantagen zwischen Nürn- und Bamberg und muss nur von zarter Fränkinnenhand gepflückt werden. Die Finnen wiederum haben ihre Is, Ös und Äs, ohne die sie den „Giroverkehr“ nicht tilisiirtoliike und die „Bügelanstalt“ nicht prässäämö nennen könnten, aus dem gefrorenen Boden Nordfinnlands zu hacken.

Was aber nun Aufmerksamkeit erregt, ist ein Rechtsstreit, in welchem die Telekom von einer Agentur namens Team-Konzept verlangt, sie solle für sich nicht mehr mit einem T auf einem abgerundeten roten Quadrat werben. Es gehe darum, sagt Telekom- Manager Althoff, „unser Markenrecht am T zu verteidigen“, man müsse „streng darauf achten, dass das T nur für die Deutsche Telekom und seine Produkte steht“. Das ist ja nun interessant. Hat es das schon gegeben, dass eine Firma sich einen Buchstaben allein unter den Nagel reißt? Wohin soll das führen, wenn IBM, BMW, BASF auf diese Idee kommen? Oder die USA? Wenn George W. Bush anfängt, sein Markenrecht an diesen drei Buchstaben zu verteidigen, ist es ja mit einem Prozess nicht getan. Da steht dann gleich ein Flugzeugträger vor der Tür.

„99 Prozent der Bundesbürger verbinden mit dem T die Deutsche Telekom“, sagt Herr Althoff. Das könnte ihm so passen. Wir denken bei T immer zuerst an einen schönen, einfachen Buchstaben aus zwei Strichen, den wir beim Scrabble benötigen, um Wörter wie Tau und Tag und Tod zu bilden, auch Thukydides, Torwart-Titan und Tagesspiegel. Wir denken an das T-Shirt, das wir bei dieser Hitze tragen. An die Delekom denken wir nicht. Aber es ist uns aufgefallen, dass in letzter Zeit die Ts knapp geworden sind, dass da jemand im Hintergrund Vorräte anlegt und jedes T vom Markt kauft, das er bekommen kann. Manchmal möchte man den Namen des Umweltministers schreiben oder ein anderes Wort für Bürgersteig, doch es geht nicht, es gibt keine Ts, man schreibt Driddin oder Droddoir. Wir sind keine Droddel, Delekom! Wir ergeben uns nichd der Dyrannei! Wenn Du einen Buchsdaben für dich allein willsd, denk dir einen neuen aus. Die alden aus dem ABC gehören alle uns.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben