Politik : Und was mache ich jetzt?

-

Von Axel Hacke

Lewis Gordon Pugh hat als erster Mensch das Nordkap schwimmend umrundet, nun ja, lange hat es nicht gedauert. Eine Stunde und viereinhalb Minuten war er unterwegs, das schafft unsereiner auch im Freibad. Aber das Wasser hatte nur zehn Grad, hey, das klingt besser. Fachleute kennen die 50:50:50Formel: In 50 Grad Fahrenheit kaltem Wasser sind 50 Prozent aller Schwimmer in 50 Minuten tot. (Und 50 Grad Fahrenheit entsprechen zehn Grad Celsius.) Pugh hatte einen Krampf, der wurde wegmassiert – das hätte im Ärmelkanal zur Disqualifikation geführt, niemand darf den Schwimmer dort berühren. Einmal durch den Kanal dauert sieben Stunden und siebzehn Minuten, jedenfalls bei Chad Hundeby, der ist Rekordhalter. Sonst länger. Aber wer schwimmt noch im Kanal?

Das ewige Dover – Calais ist ja langweilig, über 500 Leute haben’s schon gemacht, mittlerweile schwimmen sie gleich wieder zurück und noch mal hinüber, nonstop. Das dauert 28 Stunden und 21 Minuten, wenn man gut ist. Phil Rush, dem dies gelang, stammelte, als er aus dem Wasser kroch: „Die 28 Stunden waren nicht so schlimm, aber, oh, die letzten 21 Minuten….“ Dann fiel er in tiefen Schlaf. Eine einfache Ärmelkanaldurchschwimmung ist für Geübte so fad, dass sich vor Jahren ein Amerikaner eine Stereoanlage auf den Rücken schnallte, um etwas Unterhaltung zu haben. Und Cindy Nicholas schlief 1982 im Wasser ein, sieben Kilometer vor der Küste! Wo hatte ich angefangen? Ah, am Nordkap….

Man hört das immer öfter: An verschiedensten Welt-Stellen schwimmen Menschen lange Strecken. Leander ertrank noch, als er den Hellespont durchqueren wollte, um zu Hero zu gelangen, der Geliebten. Lange her, Ovid dichtete darüber: „Ungünst’ge Winde nicht, nicht zorn’ge Seen vermögen aufzuhalten den, der unter dem Befehl der Liebe steht.“ Lord Byron benötigte 1810 eine gute Stunde für die gleiche Strecke, bitte, es sind nur anderthalb Kilometer, doch bei starker Strömung. Byron schrieb: „Ich brüste mich mit dieser Leistung mehr als mit jeder anderen Art von Ruhm.“ Heute haben wir Suzie Maroney, die schaffte es 1997 von Kuba nach Florida, 180 Kilometer in 25 Stunden. Guy Delage kraulte 1995 von den Kapverden nach Barbados. Das dauerte 55 Tage, aber Delage legte sich nach je sieben Stunden auf ein Floß, das gilt nicht. In Argentinien soll Langstreckenschwimmen ein Spektakel sein, die Leute stehen an Flüssen und sehen Schwimmern zu, hinter denen manchmal ein Krokodil auftaucht, da werden sie gleich schneller. Ob bald einer aufbricht zur Weltumschwimmung, einmal rund um den Globus, sämtliche Weltmeere durchpflügend, von Dover nach Dover? Das wär’s, was wir uns erträumen, wir sind verwöhnt. Nordkap?! Das kann nur Training sein!

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben