Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Grundkurs Der Mensch im Sommer (I): Wie erkenne ich den Sommer? Der Sommer tritt uns mal als ExTelekom-Chef entgegen, darauf plötzlich als DGB-Boss, dann wieder als literarische Figur (in Süskinds „Geschichte von Herrn Sommer“), nicht zuletzt als Dichter selbst, denken wir an den Münchner Poeten Siegfried Sommer oder an Anton Sommer, den (im tiefsten Winter) 1816 geborenen Garnisonsprediger und thüringischen Mundartdichter, dessen gemütvolle „Bilder und Klänge aus Rudolstadt“ heute vergessen sind – zu Recht oder Unrecht, steht dahin. Ohnehin geht es ja in der diesjährigen Sommer-Akademie (2002 war der Grundkurs der „Vorbereitung auf die Bundestagswahl“ gewidmet) nicht um den „Menschen in Ron Sommer“ oder so.

Sondern? Nun: Den meisten Menschen begegnet der Sommer doch als Jahreszeit. Aber gerade da ist er am schwersten zu erkennen. Nicht viele Bürger wissen auf Anhieb das Kalenderdatum des Sommeranfangs (21. Juni) oder gar des Sommerendes (22. oder 23. September) zu nennen – und was nützte das auch? War es eine gute Idee, den Sommer am längsten Tag des Jahres, der Sommersonnenwende, beginnen zu lassen? Die Sonnenwende stellt man sich irgendwie als Mitte des Jahres vor, also als 1. Juli. Aber mit Logik kommt man hier nicht weit, ist doch zum Beispiel der Sommerschlussverkauf seltsamerweise eher ein Signal für den Beginn des Sommers als für dessen Ende. Der Sommer-Fahrplan der Bahn bekommt Ende Mai seine Gültigkeit, die Uhren werden am 30. März auf Sommerzeit umgestellt (da hat gerade der Frühling begonnen). Ein Chaos, leider.

Die Schwererkennbarkeit des Sommers war in zurückliegenden Jahren auch ein Problem, weil die Bevölkerung mit Anbruch des Sommers grundsätzlich schönes Wetter erwartete, in genau dieser Erwartung aber Jahr um Jahr enttäuscht wurde. Darf ich an den Sommeranfang 1985 erinnern, als uns das stille Rumpeln warmer Heizkörper das Flirren heißer Sommerluft ersetzte? Soll ich den Juni 1987 erwähnen, als der Rhein-Pegel bei Karlsruhe im Dauerregen auf 8,15 Meter stieg? Im Juni 1991 sattelten Biergartenbesitzer in München bereits auf Gondoliere um… Ach, traurig! Wir haben es mit einem schwierigen terminologischen Problem zu tun: Ist ein Sommer auch ein Sommer, wenn nichtsommerliche Temperaturen herrschen? Oder ist die Frage obsolet? Die Klagen der Leute, die sich Jahr um Jahr neu erhoben („Wo sind die großen Sommer der Vergangenheit?!“), wurden so laut, dass sich der HERR dieses Jahr zu harter Korrektur entschloss und einen grölend heißen Saharasommer schickte. Ist das unsere Sommerzukunft? Oder nur Laune des Himmels?

Nächsten Sonntag: Inwiefern sind Deutsche für den Sommer geeignet?

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