Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Es ist ein Kreuz, wenn man reich ist: Man kann nicht leben, wo man will. Herr Müller von Müllermilch zum Beispiel zieht nun in die Schweiz, obwohl er gern in unserem lieben Deutschland bliebe, er sei ein Patriot, sagt er im „Spiegel“, aber nun sei es so gekommen, „dass man jemanden wie mich verjagt“. Und womit verjagt man ihn? Mit der Erbschaftssteuer. M. ist 63, hat neun Kinder. Stürbe Müller heute, müssten seine Erben Steuern zahlen – und das nicht knapp. Dabei ist Müller nicht reich. Er besitze keine Yacht und keine Schlösser, sagt er, „ich habe keine Hobbys und komme mit einem Prozent meines Einkommens privat hervorragend über die Runden“. Müller!, denkt man, was machen Sie denn mit dem ganzen schönen Rest? Ach, er steckt es ins Unternehmen …

Nun müssen wir ein Wort über die Schweiz verlieren, welche uns Menschen wie Müller einfach nimmt – und das, obwohl wir ihn mit allerhand Subventionen beim Aufbau eines sehr schönen Milchwerkes bei Dresden unterstützt haben. Übrigens stammten diese Hilfsgelder aus Steuern, welche wir dem Staat entrichteten dies obwohl auch unsereiner wenig Yachten und Schlösser besitzt, kaum Hobbys hat und im Moment mit etwas mehr als hundert Prozent seines Einkommens über die Runden kommen muss. Ob wir vielleicht auch in die Schweiz …? Boris Becker ist ja ebenfalls dorthin gezogen, nach Zug. Die Zahl seiner Gerichtstermine in Deutschland scheint abzunehmen, er ist hier auch sonst nicht mehr viel gefragt, und schöne Frauen gibt es überall – warum also nicht nach Zug?

In der Schweiz sind die Steuersätze ungefähr so hoch wie die Prozentanteile der SPD in Bayern. Und doch ist es ein schönes Land! Auch mit wenig Steuergeld haben es die fleißigen Schweizer vermocht, herrliche Landschaften zu schaffen. Sehr viel höhere Berge als wir haben sie, allerhand wunderbare Seen, stille Banken, ein funktionierendes Mautsystem für Lastwagen. Es geht also. Leider können wir hier nicht weg, haben zu tun, irgendjemand muss zum Beispiel den Absatzmarkt für Müllers Milch bilden, damit er was zu vererben hat. Wenn wir gingen, wer söffe seine Becher leer? Und jemand muss hier vorm Fernseher sitzen, um Netzer zuzusehen, der in Zürich wohnt. Einer muss den deutschen Helden Ullrich bejubeln, der auf der Schweizer Bodensee-Seite lebt. Irgendwer muss die deutschen Tugenden des Formel 1-Recken M. Schumacher würdigen, der in Vufflens-le-Chateau ein Heim sein eigen nennt. Bleibt niemand bei uns? Doch, Dieter Bohlen, er zieht an den Starnberger See, macht übrigens Werbung für Müller - ach, sagen Sie, warum nimmt der ihn nicht mit? Müller, hallo!, warum ausgerechnet ihn nicht? Wir lassen über die Steuersache mit uns reden, wenn Sie Bohlen … Oh, warum verlassen uns nur die Besten?!

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