Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Manchmal hat man bestimmte Wörter plötzlich so satt, so elend satt, dass man sie am liebsten sofort verbieten lassen würde. So ist es zurzeit mit dem Wort „Bohlen“. Keine Zeitung kann man aufschlagen, keinen Sender einschalten, keine Buchhandlung betreten, ohne dass dieses Wort „Bohlen“ irgendwo steht oder erklingt oder sich sonstwie bemerkbar macht, es ist unerträglich. Fast wünscht man sich einen Schwarzenegger, der vor uns hinträte, die wir dem Wort „Bohlen“ so ausgeliefert sind, und der ruft: „I tell you: We will terminate the word ,Bohlen’.“ Und der es nimmt, nur das Wort nimmt und ins Weltall hinausschleudert. So einen bräuchten wir, nicht diese Typen, die erst einen Gesetzentwurf machen, mit dem der Gebrauch des Wortes „Bohlen“ untersagt wird, und dann hat wieder Norbert Blüm was dagegen, die Sache kommt nicht durch den Bundesrat, und wir werden den Ärger nicht los. Schluss! Terminieren!

   Also, wenn man jetzt gar nicht wüsste, was das Wort „Bohlen“ eigentlich bedeutet, wenn man das Glück hätte, ein bisschen weltfremd zu sein, und man hätte aber diese Woche doch „Bild“ gelesen, wo stand „Beckenbauer steht hinter Bohlen“ – was hätte man getan? Man hätte zum Lexikon gegriffen und festgestellt, dass „Bohlen“ der Plural von „Bohle“ ist. Eine „Bohle“ aber ist ein Stück Schnittholz von beträchtlicher Dicke, man verwendet das auf dem Bau, für Dächer oder Böden, kann also auf Bohlen stehen oder unter Bohlen – aber hinter Bohlen? Seltsam. Auch würde man lernen, dass es im Kegeln eine Bohlebahn gibt, auf der man immer „in die Vollen“ kegelt, also auf alle neune, wohingegen man auf der Scherenbahn so lange kegelt, bis alle Kegel abgeräumt sind. Tja.

  Wenn man dann irgendwann begriffen hätte, dass „Bohlen“ ein Name ist, dass er einen Menschen bezeichnet, man dächte: Hey, was macht Beckenbauer hinter ihm? Ist „Bohlen“ BayernTrainer? Dann wäre sein Ende nah, denn wenn im Fußball einer plötzlich öffentlich hinter dem Trainer steht, hat der höchstens noch 24 Stunden…. Aber „Bohlen“ ist kein Trainer. „Bohlen“ ist Dieter, wahrscheinlich hatten seine Vorfahren was mit Holz zu tun, er könnte auch Böhlke heißen, Bohlmann, Bohlsen. Das hat sich nicht ergeben. „Bohlen“. Im Schweizerischen heißt „bolen“ poltern; der „Bölimann“ ist ein Kinderschreck. Wenn man also das Wort „Bohlen“ wegen allgemeinen Überdrusses verböte, müsste sich der Mann, der jetzt „Bohlen“ heißt, einen anderen Namen suchen. Er könnte wieder im Holzbereich gucken, bei der Bahn werden Bohlen im Gleisbau verwendet, aber sie heißen Schwellen, nicht? Dieter Schweller? Hmmm. Dieter Diele. Paolo Planke. Vielleicht geht man ins Englische. The Artist Formerly Known as Bohlen. Oder gleich: Derek Bowling…

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